Eine Stadt die tief in die Geschichte des Menschen blicken lässt. Eine Stadt der Kirchen, die Menschen, die sie erbauten wurden vertrieben, Polen, Ukrainer, Armenier und Deutsche haben hier Kulturdenkmäler hinterlassen, die nur noch mit Krakau vergleichbar sind. Eine Stadt der Leiden, 150.000 Juden gingen von hier in die Vernichtung nur noch die Reste einer alten Synagoge erinnert an sie und ein kleines Denkmal. Eine Stadt, in der die ganze gebildete Bevölkerung nachts abgeholt und erschossen wurde. Nichts erinnert mehr an die deutsche Bevölkerung die viele Jahrhunderte hier ihre Viertel hatte. Und doch leben hier wieder Menschen, die Stadt lebt, ist lebendig, 40 Universitäten und Hochschulen, viele junge Menschen. Die vielen Kulturen haben diese Stadt geprägt, die Menschen sind gläubig und besuchen ihre Kirchen, noch immer findet die Messe in vielen Kirchen auf polnisch statt, alle Richtungen des Christentums sind hier vertreten. Der Verfall der Stadt unter dem Komunismus wurde angehalten, überall wird renoviert und gebaut. Noch fehlen die Mittel der EU, aber schon viele ausländische Investoren kommen in die Stadt. Es ist wieder der Geist der Freiheit eingezogen, alles ist im Aufbruch, das Leben zeigt sich wieder in seiner Fülle. Mein Blick geht nicht in die Vergangenheit, in das was einmal war, nicht in die Geschichte und in das was Menschen sich angetan haben, Lemberg ist eine Stadt der Gegenwart, eine Stadt des Aufbruchs. Das Wichtigste für die Entwicklung eines Staatswesens ist die Unabhängigkeit der Rechtsprechung. Wenn Oligarchen und Mafiastrukturen das Recht fürchten müssen, können die Menschen wieder in Frieden leben. Wenn ein Volk, dass eine lange Geschichte des Antisemitismus hat, sich einen Juden und Komiker zum Präsidenten wählt, dann hat sich vieles geändert und es ist Anlass mit Optimismus in die Gegenwart und die weitere Entwicklung zu blicken.
Beobachtungen
Mittwoch, 24. Juli 2019
Lemberg
Eine Stadt die tief in die Geschichte des Menschen blicken lässt. Eine Stadt der Kirchen, die Menschen, die sie erbauten wurden vertrieben, Polen, Ukrainer, Armenier und Deutsche haben hier Kulturdenkmäler hinterlassen, die nur noch mit Krakau vergleichbar sind. Eine Stadt der Leiden, 150.000 Juden gingen von hier in die Vernichtung nur noch die Reste einer alten Synagoge erinnert an sie und ein kleines Denkmal. Eine Stadt, in der die ganze gebildete Bevölkerung nachts abgeholt und erschossen wurde. Nichts erinnert mehr an die deutsche Bevölkerung die viele Jahrhunderte hier ihre Viertel hatte. Und doch leben hier wieder Menschen, die Stadt lebt, ist lebendig, 40 Universitäten und Hochschulen, viele junge Menschen. Die vielen Kulturen haben diese Stadt geprägt, die Menschen sind gläubig und besuchen ihre Kirchen, noch immer findet die Messe in vielen Kirchen auf polnisch statt, alle Richtungen des Christentums sind hier vertreten. Der Verfall der Stadt unter dem Komunismus wurde angehalten, überall wird renoviert und gebaut. Noch fehlen die Mittel der EU, aber schon viele ausländische Investoren kommen in die Stadt. Es ist wieder der Geist der Freiheit eingezogen, alles ist im Aufbruch, das Leben zeigt sich wieder in seiner Fülle. Mein Blick geht nicht in die Vergangenheit, in das was einmal war, nicht in die Geschichte und in das was Menschen sich angetan haben, Lemberg ist eine Stadt der Gegenwart, eine Stadt des Aufbruchs. Das Wichtigste für die Entwicklung eines Staatswesens ist die Unabhängigkeit der Rechtsprechung. Wenn Oligarchen und Mafiastrukturen das Recht fürchten müssen, können die Menschen wieder in Frieden leben. Wenn ein Volk, dass eine lange Geschichte des Antisemitismus hat, sich einen Juden und Komiker zum Präsidenten wählt, dann hat sich vieles geändert und es ist Anlass mit Optimismus in die Gegenwart und die weitere Entwicklung zu blicken.
Donnerstag, 27. März 2014
Jagdeindrücke aus Argentinien
Seit 20 Jahren fahren wir mit einigen Jagdfreunden nach
Argentinien. Am 20. März beginnt die Brunft der Hirsche. In
Buenos Aires holt mich Kurt vom Flughafen ab und wir fahren direkt
hinaus nach Bonifacio auf die Farm - Las
Margeritas. Beim Geldwechseln fällt mir
auf, dass es keine Dollar zu kaufen gibt, weil Argentinien wieder
wirtschaftlich am Abgrund steht. Diesem Land gelingt es nicht, seine Kaste von
korrupten Politikern abzuschütteln. Dabei ist der Reichtum an Böden und
Bodenschätzen immens, das Land könnte reich sein, wenn nicht durch staatliche
Eingriffe in die Wirtschaft eine hohe Inflation entstünde die direkt in den
nächsten Zusammenbruch steuert.
Die Margarita habe ich aus ersten Anfängen entstehen
sehen. Es ist erstaunlich, wie durch die
Energie eines Menschen ein blühender Wirtschaftsbetrieb entsteht, und vorher langsam
der gleiche Betrieb über Generationen abgewirtschaftet wurde. Unser
Freund Hasso hat hier in den letzten 15 Jahren eine vorbildlichen Hacienda aufgebaut, auch wenn die argentinischen Farmverwalter
ihn sicherlich oft zurückgeworfen haben. Es macht Freude zu sehen, wie die Felder stehen,
die Rinderherden immer weiter wachsen,
und wir fahren durch die Soja,
Hirse und Sonnenblumenfelder und freuen
uns an dem Reichtum der Landschaft.
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| Black Angus in der Pampa |
Hier hat eine Bremer Kaufmannsfamilie in den Anfängen von
Argentinien ein kleines Imperium auf- gebaut, schon seit den argentinischen
Eroberungskriegen in denen die Urbevölkerung
vertrieben wurde. Die beiden grossen Gutshäuser auf der Farm könnten
auch in Bremen stehen, das eine Haus ganz aus Ziegelsteinen,
das andere Haus ganz im klassizistischen Stil errichtet. Als Hasso die
Farm übernahm war alles heruntergekommen und es ist eine Freude zu sehen, wie er alles perfekt restauriert hat. Der
Park wirkt durch den alten Baumbestand besonders stattlich, in Deutschland
würden wir so etwas in Ostpreussen in der alten Zeit erwarten, denn die
kleinteiligen Betriebe in Deutschland lassen nicht mehr diesen Aufwand zu, den
in Argentinien 7.000 ha noch ermöglichen. Als Kurt auf der anderen Seite der
Laguna Alsina noch seinen Betrieb bewirtschaftete konnten sich die beiden
Nachbarn noch zum abendlichen Churrasco besuchen. Heute versammeln wir uns bei
Hasso, Platz ist genug da für uns
10 Jagdgäste, fünf von uns aus dem Altbestand, der seit 20
Jahren nach Argentinien kommt, und
fünf Freunde von Rasso, der vielversprechende Nachwuchs, der uns
langsam ablöst.
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| Churrasco am Abend |
Wir kommen sehr
gepflegt in den Gästezimmern der
Hacienda unter. Am Abend findet immer
ein Churrasco statt, bei dem die feinsten Stücke vom Rind, aber auch einmal ein
Lamm gebraten werden. Besonders gut gelingt die Tira, Rippenstücke, die wenn sie zart sind zum Besten des Rindes
gehören. Hasso hat diesmal einige besonders gute argentinische Weine
ausgesucht, die sich angenehm abheben von dem San Huberto, den wir auf der
Jagdfarm trinken.
Am 20.3. geht es dann
los zur Jagdfarm Los Vertientes, in Carro Quemado, der Name weist auf ein Ereignis aus der Pionierzeit hin, als hier ein Karren verbrannt ist. Wir befinden uns in der Trockenpampa, ein
ganzes Stück hinter Santa Rosa. Hier ist
nur extensive Viehzucht möglich, Die Landschaft ist leicht hügelig, mit Büschen
wilden Gräsern und den leguminosen Hartholzbäumen, den Caldén bedeckt. Das Wetter ist am Tag noch warm und lässt uns
noch den Sommer spüren. Nachts wird es aber empfindlich kalt, bis minus
2°, ideale Voraussetzungen für die Brunft. Wenn die Sonne untergeht erstrahlt über uns
der unglaublich klare Himmes des Südens,
mit einem Sternenmeer, wie wir es in Europa in unseren erleuteten
Landschaften kaum mehr kennen. Um uns brunften die Hirsche und wir freuen uns
schon auf den Morgen, wenn wir bei
Dunkelheit hinausgehen, um uns an den Hirsch zu pirsche, vom Klang der Stimme
geleitet, bevor er sich in seinem Tagesplatz zur Ruhe niederlegt.
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| Ciervo con Embras |
Um 5.30 h klingelt der Wecker von Kurt. Schnell werden die Jagdsachen
zusammengestellt. Draussen ist es noch finstere Nacht. In der Ferne röhren die
Hirsche. Ich habe wieder meinen Führer
Javier, den ich auch vor 2 Jahren hatte. Damals habe ich gleich am ersten Abend
einen stattlichen Hirsch geschossen, wie wir sie in Deutschland praktisch nie
freibekommen. Es ist empfindlich kalt
und ich bedaure es, keine Handschuhe mitgenommen zu haben. Javier arbeitet auf
der Farm und die Jagd ist für den passionierten
Jäger eine angenehme Abwechslung zur Farmarbeit. Er kennt sich natürlich besonders gut auf der
Farm aus, die immerhin 16.000 ha gross
ist, aber nur Futter für etwa 1.000
Rinder bietet. Die Jagdfarm hat sich auf die Zucht von Hereford
spezialisiert. Die Tiere sind in dem
trockenen Klima besonders stattlich und machen einen guten
Eindruck. Die Farm lebt von dem Verkauf
der Kälber, bestimmt ein sehr karges Geschäft, bei dem jedes Extraeinkommen,
wie das der Jagd, willkommen ist.
| Morgenröte in der Pampa |
Mit 5 Camionetas fahren wir in die Dunkelheit. Die Wagen verteilen sich über die Farm, jeder
Jäger hat seinen eigenen Führer, der massgeblich für den Erfolg der Jagd
verantwortlich ist. Wo ich abgesetzt
werde, noch in völliger Dunkelheit, höre
ich die Hirsche in der Ferne röhren. Wir, der Führer und ich, schaffen uns in der Dunkelheit langsam in die Landschaft, immer dem Klang
der Hirsche folgend. Dabei gilt es keine
Geräusche zu machen, ein knackender Ast könnte den schlauen Embras verraten,
dass sich der Mensch nähert. Die frische
Morgenbrise aus der richtigen Richtung hilft uns an
das Brunften heranzukommen.
Schliesslich sind wir von 3 Hirschen umgeben, die in nächster Nähe, vielleicht 60 m entfernt, brunften. Wir warten in einer Baumdeckung ab. Dichter trauen wir uns nicht heran, weil wir
ohne Deckung schnell von den Embras
entdeckt werden können und dann war alle Mühe umsonst. Aber alles Warten hilft nichts, die Hirsche
kommen nicht aus dem Dickicht .
Die Sonne geht auf, und die Aktivität der Hirsche lässt nach. Wir hören,
wie sie sich langsam entfernen. Wir
pirschen der kräftigsten Stimme nach, die immer wieder Laut gibt und uns damit
den Weg weist. Oft verhoffen wir, der Hirsch steht in einem Busch nur 30 m
entfernt, wir hören ihn fegen, Staub steigt auf, er tut uns aber nicht den
Gefallen, sich zu zeigen. Das Gestrüpp
ist sehr dicht und schliesslich müssen wir aufgeben und
der Hirsch zieht ohne uns seine Bahn.
| Warten auf den Hirsch |
Ein wunderbares Jagderlebnis, Jäger und Hirsch haben die gleichen Chancen, und diesmal hat der Hirsch gewonnen. Javier mein Jagdführer hat nur dünne Latschen
an, ein ungenügender Schutz gegen die Rosettas, kleine Kletten, die
sich an alles heften. Auch die Ledergalloschen bieten nur ungenügenden Schutz. Javier bückt sich, um die Kletten
abzuklauben, die beim Gehen äusserst lästig sind. Ich hoffe, dass er sein Trinkgeld in ein
besseres Schuhwerk anlegt und das nächste Mal etwas besser ausgerüstet ist.
| Unsere Jagdgruppe beim Essen |
Wir kehren zum Frühstück in die Farm zurück. Inzwischen ist die Sonne stark genug um
draussen zu sitzen. Jeder bekommt von unserer Köchin 3
Spiegeleier mit Speck, dazu ein
selbstgebackenes Brot und eine gute Marmelade.
Selbst der Kaffee mit warmer Milch ist von ausgezeichneter
Qualität. Die Milch wir jeden Morgen
frisch gemolken, wie in der alten Zeit. Nach dem Frühstück zieht sich die ganze
Manschaft in ihre Unterkünfte zurück, einige um zu duschen, die meisten aber um die kurze Nacht etwas zu
verlängern.
Rasso und seine Freunde nutzen die Zeit bis Mittag, um noch
auf Antilopen zu gehen. Der Ehemann von
Victoria ist Spanier und hat ein Gatter angrenzend an die Farm. Manchmal gelingt einer Antilope der Ausbruch
aus dem Gatter. Aber ein typisches Tier ist das nicht für diese Gegend. So war ihnen auch kein Erfolg gegönnt, was
wir anderen uns schon gedacht haben.
Um 17.30 h versammeln wir uns wieder und ab geht es mit
unseren Führern zur Abendpirsch. Javier will es besonders gut machen und
wechselt oft das Revier, weil er von seinen Kollegen während des Tages
Informationen gesammelt hat. Abends brunften die Hirsche nicht solange die
Sonne draussen ist, aber sein gutes Gehör macht
auch jetzt noch typische Geräusche aus und wir machen mehrfach Hirsche
hoch, die in ihrem Tageseinstand liegen, aber alle leider mit schwachen Köpfen
und für diese habe ich nicht die Fahrt bis Argentinien unternommen.
| Pampasgras in der Abenddämmerung |
Abends nach der Pirsch treffen die Jäger gegen 21 h
wieder im Camp ein. An einem Lagerfeuer wird ein Bier genommen, es gibt das gute Quilmes, ein
Ableger von Warstein. Die Jagderlebnisse werden ausgetauscht und kleine
Leckereien aus der Küche stillen den ersten Hunger. Es gibt immer sehr gutes
Fleisch und einen kräftigen Landwein, den San Huberto. Alle Jäger sind müde vom
Tag, es wurde viel erlebt und viel geleistet.
Diese Pirsch in der weiten trockenen Landschaft stellt hohe
Anforderungen an den Jäger. Jeden Tag laufen wir mindestens 4 Stunden. Das Anpirschen muss absolut lautlos geschehen. Der
eigentliche Schuss muss in dem Gestrüpp oft freihändig erfolgen, bei weiten
Schüssen setzen die meisten einen Schiessstock ein. Dann betragen die Entfernungen über 100m
. Am ersten Tag war der Jagderfolg nur eine
Antilope. Am zweiten Tag fiel ein Hirsch, kein starkes Stück, aber für den
Schützen ein schöner Erfolg. Erst am
dritten Tag fielen noch 5 Hirsche, so dass
wir auf insgesamt 7 Hirsche
kamen, bei 10 Jägern. Tatsächlich in
letzter Minute stellte sich noch der Jagderfolg ein, nachdem wir schon langsam zweifelten noch zum Schuss
zu kommen. Ein wirklich starker Kopf wie in den
Vorjahren war nicht dabei.
Trotzdem waren alle zufrieden, vor allem die Jagderlebnisse waren
besonders, wo hat man so eine ursprüngliche Pirsch auf den Hirsch.
Seitdem Victoria die Bewirtschaftung übernommen hat, ist
auch die Unterbringung und Verpflegung
sehr verbessert. Bei ihren Eltern
hatte man gar nicht das Gefühl, dass sich jemand richtig kümmert. Jetzt stimmt
auch die Küche, der Service und die Kleinigkeiten, die es uns ermöglichen, uns
wohl zu fühlen. Als wir schliesslich am letzten Jagdmorgen alle geschossenen Köpfe aufreihen und die
letzten Fotos schiessen, sind alle Generationen zufrieden, jeder ist zu seinem Jagdglück gekommen, die
Schützen zu ihren Trophäen, die anderen zu wunderbaren Pirscherlebnissen. Wir beschliessen, im nächsten Jahr wieder
dabei zu sein, bei einer der schönsten Hirschjagden, die man sich wünschen kann.
| Abschiedsessen in der Pampa |
Mittwoch, 22. Januar 2014
Die Serra das Andorinhas - im südlichen Amazonasgebiet
1989
machte ich meine erste Reise in das südliche Amazonasgebiet. Anlass war eine
Initiative meiner Studienfreunde Hubertus Dönhoff und Armin Plotho. Zusammen
mit einem bras. Biologen, Noé von Atzingen, war ein Projekt zum Schutz der
landschaftlich besonders schönen Bergkette „Serra das Andorinhas“ am Rio Araguaia ins Leben gerufen
worden. Wir flogen in die alte
Goldgräberstadt Marabá im Staat Pará und von dort ging es auf staubigen
Erdstrassen in das Landesinnere. Die
ganze Gegend lag damals unter einer dichten Rauchdecke, die von den
Brandrodungen der Siedler stammte. Unser Ziel war Sao Geraldo do Araguaia eine
Flussstadt an der Grenze von Pará u. Tocantins.
Das
brasilianische Bundesland Pará ist mit 1.248.000 Quadratkilometern eines der
grössten Brasiliens und gehört zum Amazonasbereich, von dem es etwa 26 % der
Fläche einnimmt. In diesem Bundesland leben 6 Mio. Menschen, ein buntes
Mischvolk mit stark indianischem Einschlag. Begrenzt wird dieses Bundesland im
Süden durch den Rio Araguaia, einem Nebenfluss des Amazonassystems, der mit
2.600 km die gleiche Länge wie der Amazonas hat . Der Rio Araguaia fliesst
durch zahlreiche Landschaften Brasiliens und bildet auf seinem Lauf die grösste
Flussinsel der Welt (Ilha do Bananal) und mündet bei Marabá in den Toquantins,
der wiederum sich mit dem Amazonas vereint. Am unteren Lauf des Rio Araguaia
erstreckt sich die Serra das Andorinhas, eine Mittelgebirgskette von besonderem
landschaftlichem Reitz . Diese Serra war Ziel unserer Reise und unserer
Initiative zum Schutze des dort noch vorhandenen Regenwaldes.
Rio
Araguaia mit Sandstrand und Regenwald
Zum
Schutz der Serra wurde eine
Stiftung gegründet – die Fundaçao Serra das Andorinhas – , an der sich mehrere
deutsche Freunde beteiligten, insbesondere der „Lübecker Förderverein Naturschutzpark Serra das Andorinhas“ unter der Leitung von
Prof. Dr. Horst Dilling.
Ziel
der Stiftung war der Schutz der noch nicht gerodeten Waldgebiete und
insbesondere der 36.000 ha grossen Bergkette, einer noch weitgehend
naturbelassenen Region.
Unter
der Leitung von Noé von Atzingen wurden seit 1989 in der Serra zahlreiche
Naturschutzprojekte durchgeführt, die Renaturierung von abgebrannten Flächen,
Züchtung von Baumsetzlingen, Anlage einer wertvollen Orchideenzucht, Bewachung
des Naturschutzgebietes gegen Wilderer und Landbesetzer, die Wasserversorgung
für die anliegende Ortschaft Santa Cruz und die Errichtung von Schulen für die
Waldbevölkerung.
Die
Gegend dort ist reich an allen Wildarten der Amazonasregion, besonders
hervorzuheben ist der Fischreichtum des Rio Araguaia, der auch über wertvolle Bestände an
Süsswasser-Delphinen verfügt.
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| Piranhas und Tucunaré |
1996 konnte erreicht werden, dass der brasilianische Staat die gesamte
Serra unter Naturschutz stellte. Damit hatte der Verein sein wesentliches Ziel
erreicht. Seit dem Jahr 2005, nimmt der
brasilianische Staat das gesamte Naturschutzgebiet in sein Parkprogramm
auf. Die im Naturschutzbereich teilweise mehr als 20 Jahre ansässigen Siedler
ohne Landtitel sollen umgesiedelt werden und die Naturschutzgebiete mit Hilfe einer
Parkverwaltung überwacht werden.
Im
Dorf Santa Cruz erbaute Hubertus Dönhoff im Eingeborenenstil einen kleinen
Ansitz aus Lehmhäusern mit Strohdächern, in denen die Besucher in
Hängematten übernachten. Die Häuser heissen seitdem "Casas de Umberto". Direkt im
Anschluss an die Häuser beginnt der Urwald, der sich bis hinein in die Serra
zieht. Die Brandrodungen haben sich in diesem Bereich in Grenzen gehalten,
daher ist viel originärer Urwald mit den herrlichen Kastanienbäumen erhalten. Der Rio Araguaia hat
sich vor der Serra das Andorinhas sein Bett durch Felsenkatarakte und Sandbänke
gefressen, ein gewaltiger Anblick, der sich zur Regenzeit dramatisch steigert,
wenn der Flusspegel um ca. 12 m ansteigt. Die Ureinwohner aus der vorkolumbianischen
Zeit haben dort vor ca. 5000 Jahren zahlreiche Felsmalereien hinterlassen, die
zu den bedeutendsten in Brasilien gehören. In den Bergen finden sich
ausgedehnte Höhlensysteme mit Fledermäusen und zahlreichen Felsgravuren aus
prähistorischer Zeit. Als in den 60-iger Jahren ganz Südamerika von revolutionären
Bewegungen erfasst wurde, fanden in dieser Landschaft die letzten bedeutenden
Kämpfe zwischen der damaligen Militärregierung und den studentischen
Revolutionären statt. Es ist damals viel Blut geflossen und erst
jetzt wird die Geschichte zu diesen Kämpfen allmählich in der
Öffentlichkeit aufgearbeitet.
Das
ganze Waldland war ursprünglich von der brasilianischen Regierung an
Kleinsiedler kostenlos über das nationale Institut INCRA zur Verfügung gestellt
worden. Die Rodung erfolgte durch Brandlegung, hierbei wurden grosse Teile des
Waldes niedergebrannt. Die Kleinsiedler haben jedoch keine dauerhafte Nutzung
zustande gebracht. Als wir damals das Land zum ersten Mal sahen, befand sich
alles in einem trostlosen Zustand.
Die
Kleinsiedler lebten mehr schlecht als recht in
ärmlichsten Verhältnissen. Die Häuser
waren aus Lehm errichtet , und es
wurde lediglich etwas Manniok, Reis und andere Nutzpflanzen auf den niedergebrannten Flächen angebaut und
etwas Vieh gehalten. Schulen gab es in
diesem Gebiet nicht. Auf uns Ausländer wirkte das natürlich romantisch
und sehr naturnah, für die Menschen ,
denen es am Nötigsten fehlte war es aber ein hartes und entbehrungsreiches
Leben. Die ersten Siedler, die in den
60er Jahren dort ansässig wurden,
waren in den 90er Jahren alt und müde geworden
und strebten danach, ihre kleinen Farmen
zu veräussern, um sich und ihren Kindern
ein besseres Leben zu ermöglichen.
| Hänge der Serra |
Wie
bei allen Initiativen, die am Anfang mit Begeisterung getragen werden, hatte
1997 die Spendenfreudigkeit nachgelassen.
Wenn man die vorhandenen wertvollen
Waldbestände erhalten wollte, musste
eine dauerhafte Lösung gefunden werden. Es gelang wichtige Bereiche an
Wald zusammen mit gerodeten Flächen zu erwerben, so dass entlang der Serra
eine zusammenhängende Kette von
Waldgebiet gesichert werden konnte. Auf den gerodeten Flächen wird heute
Rinderzucht betrieben, Einkommen generiert und damit eine Sicherung für die
Waldgebiete unabhängig von Spendengeldern erreicht. Hierbei wurden wir von dem Grundgedanken geleitet, dass eine dauerhafte
wirtschaftliche Nutzung der früher gerodeten Flächen durch
verantwortungsbewusste Menschen und die
gleichzeitige Sicherung der Waldgebiete,
am besten den Zielen des
Naturschutzes dient.
Unser
Freund Noé von Atzingen hat für diese ganze Landschaft eine Oeko-Bilanz
aufgestellt, in der alle Tiere und Pflanzen aufgeführt sind. Die ganze
Artenvielfalt des Amazonas ist darin erfasst.
Bei
Sonnenaufgang werden wir von den Brüllaffen des nahe gelegenen Urwaldes
geweckt, die Papageien kreischen um das Haus und der Rio Araguaia bietet alles
an Fischen bis hin zu Piranhas, die entgegen vieler Geschichten niemanden angreifen. Durch
die Wälder und die Hänge der Serra
fliessen kristallklare Bäche mit zahlreichen grossartigen Wasserfällen und
Badeseen.
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| Wanderung durch den Regenwald der Serra |
Ein
altes Siedlerhaus wurde zu einem Museum umgebaut als Andenken an die ersten
Siedler. Dort sind alle Gerätschaften und Einrichtungen der „Caboclos“ (Waldbewohner = Mischung von Weissen
und Indianern) gesammelt, die zum grossen Teil von Hand hergestellt sind. Die
Kinder der Farm und der umliegenden Gehöfte werden mit einem Fahrzeug jeden
Morgen in die Schule von Santa Isabel gebracht. Die Schule wurde mit Hilfe von
deutschen Freunden komplett renoviert und wir versuchen Einfluss auf das Umweltbewusstsein der Kinder über die
Lehrer zu nehmen.
Wer
Freude an der Natur hat, für den ist ein Aufenthalt in dieser Landschaft ein
besonderes Erlebnis. Mit Sonnenaufgang geht es um 6.00 Uhr aus den Betten oder
Hängematten. Im Sommer fällt die Temperatur nachts auf 20°, was als kalt
empfunden wird und steigt tagsüber auf 30 – 35°. Morgens wird frische Milch vom
Corral gebracht, der Tag beginnt mit einem reichhaltigen brasilianischen
Frühstück, mit warmen Gerichten , Reis und Manniok und den obligatorischen
Bohnen, Eiern und Speck. Die „Vaqueros“ (Cowboys) brechen dann auf und sind den
ganzen Tag auf dem Pferderücken unterwegs. Alle Campos müssen angeritten
werden, die Tiere versorgt, neu geborene gezählt, und Problemfälle behandelt
werden . Beeindruckend ist es, wenn die Vaqueros die Herden von einem Campo zum
anderen bringen. Sie blasen dann auf langen Kuhhörnern und die Herde folgt
ihnen willig zum nächsten Weideplatz. Das Leben bewegt sich noch langsam und
archaisch, bestimmt von den Tages- und Jahreszeiten.
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| Frühstücken im Caboclohaus |
Nach
dem Frühstück brechen wir dann zu Ausflügen in die umliegenden Wälder, an den
Rio Araguaia oder zur Tierbeobachtung auf. In diesem hügeligen, dem deutschen
Mittelgebirge ähnlichen Gelände, ist man noch voll auf Pferde und Mulis
angewiesen.
Hauptnahrungsmittel
der Bewohner und am beliebtesten ist Fleisch, obwohl auch Fisch aus dem Fluss
wichtige Proteine liefert. Zu keiner Mahlzeit fehlt Reis, Bohnen, Manniok
und viele Früchte, die überall in der freien Natur wachsen und auf den
Ausritten direkt vom Baum geerntet werden wie Mangos, Papayas, Bananen, Zuckerrohr.
Durch
die zahlreichen Regenfälle das ganze Jahr über (Niederschlagsmenge zwischen 1200
und 1500 mm) und das tropische Wetter gibt es keinen
Winter.
Wegen
des hügeligen Charakters wird das Land entlang des Rio Araguaia um die Serra
das Andorinhas mehr für Viehzucht als für Landwirtschaft verwendet. Die Tierzucht
erfolgt im westlichen Sinne absolut ökologisch
Die
Rinder werden ganzjährig auf der Weide gehalten, eine Zufütterung ist nicht
erforderlich. Besonders schön fügen sich die Weiden, mit zahlreichen Palmen in die noch vorhandenen
Waldgebiete ein. Über allem aber erhebt sich die Serra das Andorinhas mit ihren
rd. 400 m hohen Bergkämmen und ihrem noch weitgehend unberührtem Oekosystem.
| Rinder auf der Weide, Oekologie pur |
Wenn
ich unser Engagement über die vergangenen Jahren betrachte, so hat es viel Freude und bei
unseren Aufenthalten Lebensqualität gebracht. Die brasilianische Sprache ist
leicht zu erlernen, die Menschen sind offen, freundlich und Ausländern
gegenüber zuvorkommend. Wer sich in den südlichen Ländern Europas auskennt,
fühlt sich in Brasilien schnell zu Hause.
Dieses Land mit
190 Mio. Menschen, seinem
ungeheueren Naturreichtum und seinen Bodenschätzen bietet enorme
Wachstumsmöglichkeiten, dies alles eingebunden in eine westliche Kultur, die
von dem kleinen Portugal vor einigen hundert Jahren eingeführt wurde.
Samstag, 1. Juni 2013
Fleisch essen in Brasilien
Gerade war ich in einem meiner Lieblingsrestaurants, dem „Fogo de Chao“ in Brasilia. Warum Fleisch essen, wenn das Gemüse und Salatbuffet zum Besten gehört was man sich vorstellen kann? Alle Platten mit Salaten und Gemüsen machen den Eindruck, als ob sie der Koch gerade frisch im Garten geerntet hätte. Das Fogo ist eine Kette mit 18 Restaurants in den USA und 9 Restaurants in Brasilien. Aber trotz Kette denke ich , dass man in einem Spitzenrestaurant kein besseres Angebot bekommen kann wie in diesem Kettenrestaurant. Welcher Service, seit Jahren kenne ich keinen Platz, der mich freundlicher bedient. Jedes Mal wenn ich mir Salat hole, steht der Kellner hinter mir und schiebt den Stuhl. Niemals aufdringlich, immer selbstverständlich. Welcher Unterschied zu anderen aufgesetzten Restaurants.
Gerade komme ich aus der Spargelzeit in Deutschland, aber
der Spargel hier lässt sich mit dem besten vergleichen. Der Blattsalat, so was
von frisch, die Roten Beete, die
Wachteleier, die Vielfalt der Gemüse,
wie ich sie nur in Brasilien kenne, fast werde ich zum Vegetarier, und halt ich bremse
mich, meinen Apetit muss ich mir für das
Fleisch erhalten.
Auf dem Tisch drehe ich meine Signalkarte auf Grün. Sofort eilen die Kellner mit dampfenden Spiessen auf mich zu.
Anders als in Argentinien, wo Dir ein
grosses Stück vom Grill serviert wird,
natürlich auch ganz etwas wunderbares,
bekommst Du hier die ganze Vielfalt des Fleisches serviert. In
einer Karte auf dem Tisch studiere ich, was mir jeweils angeboten
wird.
Mein Liebling, Picanha,
Prime Cut of Top Sirloin, welch
ein Genuss, sollte man sich nicht auf dieses Stück konzentrieren, aber
nein, hier in Brasilien erlebt man, wie
aus allen Teilen des Rindes Wunderwerke hervorgebracht werden. Costela premium, wie oft habe ich die in Argentinien bei
meinem Freund Kurt gegessen, aber nie so gut wie hier im
Fogo, das Geheimnis scheint darin zu liegen, dass es vorgekocht wird und
dann erst in der letzten Phase im
Ofen gegrillt wird. Ancho Premium, der Angelsachse kennt es als
Prime Cut oft he Ribeye, eine Delikatesse,
die einem dreifach mundet, wenn man weiss, dass in Brasilien die
Stallhaltung und Mastbeschleunigung
verpönt sind. Welche Geschmacksnoten breiten sich auf der Zunge aus, wenn man
sich einmal vom Spiess die Scheiben des Ribeye
herunterschneiden lässt. Alcatra com Maminha, Top Sirloin with Trip-tip, das Lendensteak mit reichlich Fettpolster um
den Saft und Geschmack im Fleisch zu bewahren und natürlich das Filet
Mignon, das Tenderloin, für mich das am
meisten zu vernachlässigende Stück, wenn
das Fleisch at ist best serviert
wird. Tenderloin nur dann, wenn die Fleischkultur nicht das bietet, was man in
einem solchen Spitzenrestaurant geboten
bekommt. Und dann die grosse brasilianische Spezialität, Cupim,
auf englisch Hump,
der Höcker des Nelore Rindes,
als Nahrungsreserve von der Natur
vorgesehen, und nur hier in dieser Güte
erfahrbar. Das Geheimnis der Zubereitung liegt in der Vorbereitung. Das Stück wird vorgekocht und dann erst am
Spiess gegrillt. Das Stück, das ich heute gegessen habe, zerfiel auf der
Zunge, so etwas feines bietet kein manzo bolito und kein Tafelspitz.
Das Schöne am
Rodizio, man bekommt zwar ein
Riesenstück am Spiess serviert, aber man lässt sich nur ein Stück, das man sich
aussucht vom Spiess heruntersäbeln. Ganz frisch, direkt aus dem Lehmofen.
Die Beilagen vernachlässigt man am Besten, es lohnt sich die Konzentration auf das
Fleisch. An den Nachbartischen sehe ich, wie die Kellner ohne Unterlass die
köstlichsten Beilagen herbeischaffen, jede Art der Kartoffel und
Manniokzubereitung, gebratene Bananen, Reis, alle Bohnenarten, die in Brasilien
kultiviert werden, jede Art von Gemüsen,
die meisten bei uns Europäern unbekannt.
Alles das muss ich zu meinem Leidwesen zurückweisen, es ist nicht zu schaffen.
Aber für den Nachtisch muss noch Platz sein. Mein absoluter Lieblingsnachtisch wird hier
serviert Crema de Mamao mit Cassis. Das ist etwas für den wahren Nachtischfan, frische Papaya, wie sie es nur in Brasilien
gibt, mit einem guten Vanilleeis püriert
und mit etwas Cassis obenauf. Genial.
Auch wenn der Magen schon aufgegeben hat,
dieser Nachtisch muss noch sein,
und wenn uns das Völlegefühl übermannt,
dann zu guter Letzt einen alten
Cachaza, der in seiner Weichheit und
Milde selbst einen Cognac übertrifft.
Alles in allem ein Spitzenvergnügen, in einem der besten Restaurants der
Welt, sicher nicht ganz billig, aber
jeden Real wert, den man ausgibt.
Montag, 28. Januar 2013
Jahresfest auf der Fazenda
Fazenda Andorinhas
Selten ist die
Fazenda so grün wie im Januar. Im Süden von Brasilien ist jetzt Hochsommer, die
Kinder haben Schulferien. Bei uns im
Norden hat die Regenzeit begonnen. Seit
Oktober haben die Regenfälle eingesetzt und überall empfängt uns sattes
Grün. Die Temperatur steigt selten über
30° und nachts herrschen angenehme
Schlaftemperaturen um 23°. Die Luftfeuchtigkeit
ist hoch, selbst unsere Damen verzichten auf die Gesichtscreme, die Haut fühlt
sich wunderbar weich an.
Fest in der Scheune
Schon seit Tagen wird das Jahresfest für die Angestellten
der Fazenda geplant. Im grossen Schuppen
wird sauber gemacht, Tische und Stühle werden aus dem Dorf geholt, ein Rind ist
schon vor einer Woche geschlachtet worden und hängt in der neuen Kühlkammer zum
Reifen. Diego und ich lassen uns durch den Vorbereitungsrummel nicht
stören. Jeden Morgen reiten wir aus und besichtigen die Arbeit auf der Fazenda. So gut hat die Fazenda noch
nie ausgesehen. Langsam ist sichtbar , wie die Arbeit vieler Jahre die Weiden verbessert hat, das Unkraut wurde
zurückgedrängt und alles befindet sich
in einem perfekten Zustand. Eine
besondere Freude ist es die Herden anzusehen. Gerade ist die Zeit der
Kälbergeburten zu Ende gegangen und das Team um Reino ist damit beschäftigt die
Kühe wieder zu besamen. Überall sehen
wir die Rinderherden mit ihren kleinen
Kälbern und die Mütter, die sofort einen wehrhaften Verteidigungsring um ihre Kleinen
bilden.
Weisse Ceburinder (Nelore)
Wenn die trocken Sommermonate zu Ende gehen und die Weiden
wieder ihr kräftiges Wachstum beginnen, die Rinder ihr Jungen bekommen haben, dann ist es Zeit das Erntedankfest zu feiern,
dem Reichtum der Natur zu danken, der Fruchtbarkeit der Jahreszeiten, der
Fruchtbarkeit der Rinder, und vor allem
den Menschen, die in dieser Natur leben, die Weiden pflegen und die Rinder
betreuen.
Unser Churrasco
Das Fest beginnt mittags.
Der Grill ist schon einige Stunden vorher geheizt und grosse
Rauchschwaden steigen langsam in den warmen Sonnentag. Die Sonne ist uns
wohlgesonnen, heute sind keine Regenwolken aufgezogen und ein Teil der Kinder
vergnügt sich unten im aufgestauten Bach und die Jugendlichen spielen noch
Fussball, bevor sie sich zum Churrasco einfinden. Eine Band aus Ananas probiert ihre Verstärker
aus und von überallher treffen die Mitarbeiter ein, um mit uns zu feiern.
Alle hören gespannt zu
Jetzt ist es soweit, Gildo hat schon seit einiger Zeit die
grossen Steaks und Rippen auf dem Grill, der Duft hüllt uns alle ein und natürlich gibt es dazu Reis, Feijao, Vinagrete, verschiedene Arten
von Kartoffeln und gekochtes Manniok. Dazu fliesst das lokale Bier „Skol“ in Strömen, wahrscheinlich trinken
einige Männer, etwas versteckt vor ihren Frauen, ein Gläschen Pinga, das Nationalgetränk, ein Zuckerrohrschnaps.
Zuerst gibt es eine
grosse Ansprache, alle müssen noch mit dem Essen warten, und dann ist es
endlich soweit, alles setzt sich, die Kinder rennen als erste an den Grill und
dann folgen langsam die Erwachsenen, es ist
so viel Fleisch da, dass alle bis Mitternacht essen können.
Eine unermüdliche Band
Sofort setzt die Musik ein.
Gespielt wird Forró, Reggae, Brega, MPB,
Pop & Rock. Sofort eilen die
Frauen und Mädchen auf die Tanzfläche, die Herren halten sich vornehm
zurück. Mir fällt auf, dass in den letzten 10 Jahren die
Gewichte der Damen kräftig zugelegt haben. Seit
der Regierungszeit von Lula sind
die Einkommen gestiegen und das wird zunächst in Essen umgesetzt. Ich erinnere mich an die Zeit nach 1947, als die Menschen in Deutschland plötzlich
dick wurden, weil die Fresswelle eingesetzt hatte. Wenn von den hübschen
Brasilianerinnen gesprochen wird, dann gilt das kaum für die einfachen Menschen. Bis zu mittleren Einkommen sind die Menschen
zu dick. Das gilt nicht für den Süden
des Landes, wo eine ausgeprägte Körperkultur herrscht und die Strände mit
hübschen Mädchen bevölkert sind. In den
nächsten Jahren wird sich auch im Norden das Schönheitsideal verändern.
Die Damen beherrschen die Tanzfläche
Bei den Besuchen von deutschen Freunden haben natürlich fast alle kräftig
mitgetanzt. Auch wenn die heimischen
Damen nicht ganz uninteressiert an den Besuchern waren, haben ihre Männer mit
Argusaugen über ihrer Tugend gewacht. Unter sich geht es lockerer zu, unser Freund Gildo hat 4 Kinder, alle von
anderen Frauen und auch viele Mitarbeiterinnen haben ihre Kinder ohne Mann
bekommen und ernähren sich und ihre Kinder durch ihre Arbeit.
Manche Kinder sind ein Gewächs der Fazenda, Vaginho und Alison, die
Söhne von Bidao, sind von den anderen Vaqueiros gross gezogen. Ihr Vater ging
mit seiner neuen Frau auf eine andere Fazenda und sie blieben, da sie die neue
Stiefmutter nicht akzeptieren wollten.
Heute tanzen sie hier mit uns und einer ist schon verheiratet mit Kind, ich
kenne ihn noch als kleinen Steppke.
Kinder von der Fazenda
Die Musik hat voll aufgedreht, es wird gegessen, getrunken
und fast alle Frauen tanzen, von den Männern nur wenige. Ein unermüdlicher Tänzer ist Carlindo, ein
kräftiger Mulatte, der fast alle Zäune auf der Fazenda gebaut hat. Ein
sympathischer Mensch, von allen anerkannt. Wir sitzen unter dem Dach im
Schatten, aber durch die Luftfeuchtigkeit und die Aussentemperatur von 32° ist
es am Tisch unerträglich heiss. Allen Tänzern
fliesst der Schweiss, die T-Shirts
kleben am Körper, trotzdem wird ohne Pause getanzt, bis zum Umfallen. Da fällt wegen eines entfernten Gewitters der
Strom aus. Das Notstromagregat springt nicht
an. Zé der Mann für alle Notfälle, setzt sich in eine Lastwagen, um von
Agua Verde einen Motor zu besorgen, denn ohne Motor auch keine Musik. Während er noch unterwegs ist, kommt die
Energie zurück, die Musik springt wieder an. Dieses Jahr feiert Paulo Viheira mit uns. Schon vor 10 Jahren hat er mit der Kunst in der Fazenda begonnen. dieses Jahr soll die alte Sägemühle in Kunst verarbeitet werden. Er ist einer unserer fleissigsten Tänzer. Ich freue mich auf die Kunst die uns das nächste Mal begrüssen wird.
Paulo und Marcia
Ich flüchte aus der Hitze
der Scheune an den Fluss. Einige
Kinder sind im Wasser und kühlen sich ab. Der kleine Fluss kommt aus der Serra
und das Wasser hat gefühlte 24°, was einen richtigen Kälteschock verursacht,
aber die Körpertemperatur wieder in normale Bereiche bringt. Den ganzen
Nachmittag wird abgetanzt, manchmal mische
ich mich unter die Tänzer und muss in der Mitte vortanzen, zur Freude der
dicken Damen. Gegen 6 Uhr geht die Sonne
unter. In der Dämmerung ist die Stimmung
angeheizt, die Musiker scheinen keine Müdigkeit zu kennen, die Tänzer auch
nicht. Die Kleidung der Tänzer kann man
auswringen. Fasst man eine Tänzerin an,
klebt die Hand am
kalten Schweiss fest. Ohne Pause wird getanzt. Die Stimmung ist vom Alkohol angeheizt. Aber
alles ist fröhlich und es gibt keine
Alkoholausfälle.
Abkühlung im Schwimmbad
Auch der Grill dampft vor sich hin, immer wieder wird neues Fleisch
aufgelegt, die Nationalspeise hier im
Landesinneren. Diego ergreift das Mikrofon und singt über die Mitarbeiter, über
Freundschaften und seine Entführung. Alle sind sehr ergriffen und jubeln ihm
zu, er scheint bei den Mitarbeitern sehr
beliebt zu sein.
Um 19 Uhr ziehen wir
uns zurück. Plötzlich ein Schuss, aufgeregt rennen die seguranca nach oben, zum
Wohnhaus, wo der Schuss fiel. Bald klärt
sich die Konfusion, Diego hat nur seine Freude über das Fest mit einem
Pistolenschuss zum Ausdruck gebracht. Völlig erschöpft legt er sich ins Bett
und schläft auf der Stelle ein. Wir anderen folgen seinem Beispiel. In der Scheune aber wird weiter gerockt, noch immer drehen sich die Dicken im Kreise,
ohne Ermüdung, erst am nächsten Tag
stellt sich der Muskelkater ein. Endlich um Mitternacht wird die Musik abgedreht und
nur langsam begeben sich die Menschen in ihre Häuser zurück.
Abendhimmel über der Fazenda
Freitag, 19. Oktober 2012
An den Stränden von Pipa
Wechsel von Felsen und Sand und dahinter die bewaldete Küste
Wenn man von
Natal die BR 101 in Richtung Süden
fährt, dann kann man sich nicht mehr
vorstellen, dass noch vor drei Jahren auf dieser wichtigen Verbindungsstrasse,
die vom äussersten Norden bis in den Süden des Landes führt, nur zweispuriger
Verkehr möglich war. Jetzt hat sich die Fahrzeit nach Praia de Pipa auf eine
knappe Stunde verkürzt und die Strasse
ähnelt einer Autobahn. Wir
befinden uns im Nordosten von Brasilien, bis vor wenigen Jahren von Armut
geprägt. Wegen der armen sandigen Böden
war Landwirtschaft nur eingeschränkt möglich und der Anbau bestand im
wesentlichen aus Zuckerrohr und Kokosnussplantagen. Durch den Verfall des
Zuckerpreises im 18. Jahrhunder fiel
diese Landschaft in bittere Armut. Heute hat die Gegend einen enormen
Aufschwung erfahren, Zuckerrohr ist ein
begehrtes Produkt für die Herstellung von
Biosprit geworden. Die ganze
Gegend ist landwirtschaftlich genutzt und es werden jährlich 2 bis 3 Zuckerrohrernten eingefahren. Über Goianinha, einer schläfrigen Provinzstadt,
die durch die neue Prosperität wieder zu Leben erwacht, geht es durch
kleine Dörfer auf einer Nebenstrasse nach Tibau do Sul und dann weiter nach Praia de
Pipa. Ich wohne wieder in der Pousada Thalassa, die jedes Jahr schöner wird.
Open Air Lounge in Pousada Thalassa
Bis vor
wenigen Jahren war Praia de Pipa ein kleines Fischerdorf, mit wenigen hundert
Einwohnern. Dann kamen die ersten Touristen, meistens noch Hippies und
entdeckten die goldenen Strände um Pipa.
Oft waren dies Europäer,
Portugiesen, Spanier und Italiener, die sich hier wohlfühlten. Noch heute
sind die altgewordenen Hippies mit dem Verkauf von selbstgefertigtem Schmuck
beschäftigt. Der Charakter des alten
Fischerdorfes mit seinen armen Hütten und seinem Kopfsteinpflaster ist erhalten
geblieben. Der ganze Ort besteht
praktisch nur aus einer gepflasterten Hauptstrasse,
nur wohnen heute in den Häusern nicht
mehr die Fischer, sondern ein Restaurant, Laden und Bar reiht sich aneinander. Abends wacht diese Hauptstrasse auf und es findet
eine Völkerwanderung statt. Hauptsächlich junge Leute aus aller Herren Länder feiern die Nacht durch und enden in der
einzigen Diskothek, dem Calango.
Praia do Amor
Für mich
sind in Pipa die Strände am Schönsten. Der unabhängige Führer Quatro Rodas zählt die Strände um Pipa zu den schönsten in Brasilien. Um alles erforschen zu können, sollte man
sich einen kleinen Mietwagen oder einen Motorroller mieten. Den Hauptstrand von Pipa erreicht man direkt
vom Zentrum. Die Dorfvorsteher haben dort einen kleinen Platz geschaffen, den es vorher
nicht gab. Dort führen die jugendlichen
abends Tänze auf und treffen sich, weil das Taschengeld noch nicht
reicht, um am Nachtleben teilzunehmen. Am Haupstrand reiht sich eine Barraca an die andere. Barracas sind die kleinen Strandrestaurants
in Brasilien, in denen man Getränke und
Fisch bekommt. Die Plastiktische
und Stühle stehen mit ihren Schirmen meist bis ins Wasser. Die Brasilianer lieben
es ihr Cerveza und Essen mit dem Füssen im Wasser
einzunehmen. Das vermittelt ihnen das
echte Urlaubsgefühl. Hingegen gehen sie
nicht so gerne ins Meer, vielleicht
können viele nicht schwimmen, sondern verbringen nach ihrem Strandmorgen den
ganzen Nachmittag im Pool ihrer Pousada.
Das Meer hat den Hauptstrand wieder einmal verändert. Im letzten Jahr
war zwischen den Barracas und dem Strand eine Lagune entsstanden und die
Kellner mussten durch diese flache Lagune waten, um das Essen zu
ihren Gästen zu bringen. Dieses Jahr ist die Lagune verschwunden und der
eigentliche Strand breiter geworden.
Schon auf dem Weg zum Strand wird man von zahlreichen Schleppern
angesprochen, die ihre Restaurants
und Schiffe empfehlen, mit denen die
Feriengäste eine Reise entlang der Küste
unternehmen können.
Ich ziehe es
vor dem Trubel des Haupstrandes zu
entweichen und wandere langsam durch den feinkörnigen Sand in Richtung Süden. Der Charme dieser Küste liegt in dem
Wechsel von Sand und Felsen. Jetzt bei zurückweichendem Wasser, die Gezeiten sind hier stark ausgeprägt, kommen Felsen aus dem Wasser und bilden
kleine Badebecken, in denen die Brasilianer mit ihren Kindern sitzen und vergnügt planschen. Hier an der Ostküste des Landes spielt sich
das Badeleben am Vormittag bis ca 15 Uhr ab. Dann fangen die Schatten der
steilen Felsenkuste allmählich den
Strand einzunehmen und die
Sonnensuchenden wandern ab in ihre jeweiligen Pousadas. Ich gehe vorbei an dem Kap, das man jetzt bei Ebbe
umrunden kann, durch malerische Felsengruppen, zwischen denen immer der goldene
Sand liegt und komme an den Praia do
Amor. In der Karte steht hier auch der
Name Praia dos Afogados, der Strand der
Ertrunkenen. Dieser Name war wohl für
den Tourismus nicht förderlich und die Stadtväter haben ihn dann in den
Liebesstrand umgetauft. Der Strand ist ein reiner Sandstrand, ohne Felsen, hat
eine ausgeprägte Brandung, weil es keine vorgelagerten Riffs gibt und es gibt
auch Unterströmungen. Wer es gewohnt
ist, mit den Wellen und Strömungen zu schwimmen, geht kein grösseres Risiko
ein. Man sollte aber ein sicherer
Schwimmer sein und die grossen Wellen untertauchen können. Hier gibt es auch eine Barraca die
Liegestühle verleiht, und ein langer
menschenleerer Strand mit Kokosnussbäumen gesäumt lädt zum Spazierengehen ein. Der Strand endet am Chapadao, einer steilen
Felsenwand, die direkt ans Wasser reicht.
Von oben hat man einen wunderbaren Blick
über die Küste und Strände. In der Barraca esse ich einen ausgezeichneten
Weissfisch und trinke einen Chope
Skol, das brasilianische Wort chope kommt aus der deutschen Biertradition, die Marke Skol aus dem skandinavischen –
überall trifft man auf die Spuren der Einwanderer.
Praia do Amor
Praia do Amor
Geht man den
Strand weiter, so kommt man über den menschenleeren Praia das Minas bis zum
nächsten Ort Sibauma. Hier
soll im 17. Jahrhundert ein Sklavenschiff gestrandet sein. Die Überlebenden
wurden nicht versklavt sondern gründeten ein Quilombo, einen Ort für befreite
Sklaven. Die Bewohner sollen noch direkt
von dieser überlebenden Sklavenfracht abstammen.
Am nächsten
Morgen möchte ich die Nordstrände von
Pipa erforschen. Oft bin ich über den Strand im Zentrum von Pipa bei
Ebbe zum Praia do Corral gegangen, das geht allerdings nur, wenn die Ebbe
Tiefstand hat und man über die Steine am
Kap klettern kann. Dafür belohnt dieser Strand einen mit Einsamkeit, keine
Liegestühle, nur der golden glänzende Sand in den zurückweichenden Wellen und draussen
die spielenden Delfine.
Praia do Madeiro
Praia do Madeiro
Es ist aber
Flut, und ich kann nicht zu Fuss gehen. Ich nehme meinen Mietwagen und fahre an
den Praia do Madeiro, den beliebtesten
Badestrand von Pipa. Der Zugang zum Strand ist ein bisschen beschwerlich, über eine Holztreppe geht es
den bewaldeten Steilhang hinab. Unten
hat das Meer wieder ein Stück mehr
von der vorgeschobenen Palmenküste
weggefressen. Es sind weniger Barracas und Strandliegen als im letzten Jahr
vorhanden. Angeblich hat IBAMA, die staatliche Naturschutzbehörde, den Abriss von wilden Strandbauten verfügt.
Auch die recht urige Strandhütte des Inhabers der Diskothek Joy auf Teneriffa
ist verschwunden. Hier hatten wir in Hängematten im letzten Jahr noch eine
guten Caipirinha getrunken und uns über die alten Zeiten in Teneriffa unterhalten. Nur die Verleiher von Surfbrettern sind die gleichen geblieben. Die starken Passatwinde sorgen für einen schönen
Wellengang, ideal für Surfer. Neu sind die
zahlreichen Kitesurfer, die sich vom Wind über die Wellen tragen lassen. Die
abgerissenen Strandbuden vermisst man nicht,
die Natur wird zurückgebaut.
Ich mache
einen langen Strandspaziergang über den Praia do Madeiro bis zum Praia da Cacimbinha. Hat man einmal die Liegestühle an den Treppen verlassen, ist
bald kein Spaziergänger mehr in Sicht. Der Strand bietet sich in seiner ganzen Ursprünglichkeit
an. Umgestürzte Palmen, unterspültes
Wurzelwerk, alles was das Meer
anspült, kaum Plastikreste, eine noch kaum berührte Natur zu der man nur
über die wenigen Treppen gelangen kann, die an der Steilküste vorhanden sind. Bis zur Punta de Pirambú gelange ich nicht. Eine sehr schöne gepflegte
Anlage am Hang, von einem Deutschen angelegt, in der man in clubähnlicher
Atmosphäre den Tag auf Liegestühlen am
Pool oder im Restaurant verbringen kann.
Der Zugang zu der Anlage erfolgt über eine altmodische Holzseilbahn, die man
skeptisch betrachtet, aber die einen sicher ans
Ziel bringt.
Fähre über die Lagoa Guarairas
Fähre über die Lagoa Guarairas
Ich gehe den
Strand zurück um rechtzeitig zum Sonnenuntergang in Tibaul do Sul zu sein. Tibaul
do Sul ist die Prefeitura des Verwaltunsbezirkes für Pipa. Mit etwas weniger
Tourismus zeigt Tibaul noch mehr die
originären Strukturen eines kleinen
Fischerortes im Nordosten. Den Charme
dieses Ortes macht die Lagoa Guarairas
aus. Eine riesige Wasserlandschaft, die sich an dieser Stelle durch
einen schmalen Durchbruch tief in das Land hineinerstreckt. In der Lagune
befindet sich der kleine Hafen von
Tibau, der nur bei Flut angesteuert werden kann. Eine landestypische Fähre stellt die Verbindung
zur anderen Seite her. Auf der anderen
Seite der Bucht erstreckt sich die unberührte Dünenlandschaft von Marembá. Bei Ebbe kann man mit einem Strandbuggy oder
Vierradantrieb übersetzen und am Strand
nach Buzios fahren. Eine äusserst
lohnenswerte Fahrt, die einen die Abenteuer einer Wüstenlandschaft erleben
lässt.
Es ist schon
spät und um 17.30 h geht die Sonne unter. Ich verlasse die Strandbuden von
Tibau und fahre auf den kleinen Besucherparkplatz des Hotels Marinas, das
direkt über der Lagoa liegt. Eine vorgelagerte kleine Holzplatform mit
Creperie und Bar ist schon gut besetzt. Alles wartet auf den Sonnenuntergang.
Bei einem Sundowner und klassischer Musik
schiebt sich langsam der Sonnenball in die Lagune. Die Menschen hören auf zu sprechen, dieses
immer wieder gewaltige Naturschauspiel lässt sie verstummen. Nur das Summen und Piepsen der Kameras ist noch zu
hören.
Sonnenuntergang über der Lagoa Guarairas
Mittwoch, 10. Oktober 2012
Von Brasilia nach Marabá
Es ist immer ein langer Flug, wenn man sich in Frankfurt ins Flugzeug setzt und die 10 Stunden nach Recife durchfliegt. Diesmal ging es noch gleich weiter bis Brasilia, wo ich mich mit Markus, dem Freund von Andreas treffen wollte. Die erste Nacht ist immer mühsam. Wenn es 3 Uhr nachts ist, dann signalisiert das Körpersystem 8 h morgens, und ohne recht Schlaf gefunden zu haben springt man bereits in den neuen Tag. Wie das bei den Flugbegleitern und Piloten funktioniert ist mir nicht nachvollziehbar. Ich treffe mich mit Markus pünktlich morgens zum Frühstück im Melia und wir beschliessen noch etwas von der Stadt zu sehen. Markus ist zum ersten Mal dort. Man kann sich nicht der Vision entziehen die der Architekt Oskar Niemeyer und der damalige Präsident Joselino Kubitschek von ihrer künftigen Hauptstadt hatten. Ich kenne keine andere Stadt, in der so konsequent ein architektonisches Konzept durchgezogen wurde. Die Grosszügigkeit der Planung hat Avenidas geschaffen, die in ihrer Ausdehnung und Breite kaum vom Fussgänger überquert werden können. Markus kommentierte: eine Idealstadt für den Autofahrer.

Grosszügige Planung
Die Architektur für das Regierungsviertel ist aus einem Guss. Ob uns die Architektur heute noch zusagt ist eine andere Frage. Eindrucksvoll ist die Konsequenz, mit der das architektonische Konzept umgesetzt wurde. Die Unesco hat Brasilia zum Weltkulturerbe erklärt. Und auch in kommenden Jahren wird die Konsequenz der Leistung mit Sicherheit gewürdigt werden. Für mich steht fest, Brasilia ist eine der grosszügigsten Städte der Welt, und es ist nicht eine Stadt aus der Retorte geworden, inzwischen leben im Grosskreis der Stadt 3,5 Mio Menschen, die Stadt hat also auch nach Außen Atraktivität erhalten.

Die beiden Häuser des Congresses
Mit einem Taxi fahren wir vorbei an den beiden Kammern des Kongresses, in Form zweier sich ergänzender Halbschalen, an der Kathedrale, die erst im Innern ihre volle Wirkung entfaltet, am Präsidentenpalais, wo heute Dilma Rousseff als Präsidentin regiert. Die Präsidentin Dilma ist aus dem Widerstand gegen das Militärregime in die Politik gekommen und setzt als Nachfolgerin von Lula dessen erfolgreiche Wirtschafts-und Sozialpolitik fort.
Über die geschwungenen Brücken über den Stausee verlassen wir das Regierungsviertel und fahren durch grosszügige Wohngebiete von Politikern und Diplomaten. Alles ist parkähnlich angelegt, und die Lebenqualität hier ist nicht zu unterschätzen.

Brücke über den Stausee

Grosszügige Planung
Die Architektur für das Regierungsviertel ist aus einem Guss. Ob uns die Architektur heute noch zusagt ist eine andere Frage. Eindrucksvoll ist die Konsequenz, mit der das architektonische Konzept umgesetzt wurde. Die Unesco hat Brasilia zum Weltkulturerbe erklärt. Und auch in kommenden Jahren wird die Konsequenz der Leistung mit Sicherheit gewürdigt werden. Für mich steht fest, Brasilia ist eine der grosszügigsten Städte der Welt, und es ist nicht eine Stadt aus der Retorte geworden, inzwischen leben im Grosskreis der Stadt 3,5 Mio Menschen, die Stadt hat also auch nach Außen Atraktivität erhalten.

Die beiden Häuser des Congresses
Mit einem Taxi fahren wir vorbei an den beiden Kammern des Kongresses, in Form zweier sich ergänzender Halbschalen, an der Kathedrale, die erst im Innern ihre volle Wirkung entfaltet, am Präsidentenpalais, wo heute Dilma Rousseff als Präsidentin regiert. Die Präsidentin Dilma ist aus dem Widerstand gegen das Militärregime in die Politik gekommen und setzt als Nachfolgerin von Lula dessen erfolgreiche Wirtschafts-und Sozialpolitik fort.
Über die geschwungenen Brücken über den Stausee verlassen wir das Regierungsviertel und fahren durch grosszügige Wohngebiete von Politikern und Diplomaten. Alles ist parkähnlich angelegt, und die Lebenqualität hier ist nicht zu unterschätzen.

Brücke über den Stausee
Nur der Flughafen passt nicht in das Bild einer grosszügig geplanten Hauptstadt. Der Flughafen platzt aus allen Nähten und unser Flug geht in einem Behelfsbau ab, der für eine neue erfolgreiche Nation unwürdig ist. Ähnlich chaotische Verhältnisse kenne ich nur aus Sao Paulo, wo der Flughafen noch mehr in die Jahre gekommen ist. Der Flughafen in Brasilia ist ein Drehkreuz, von hier fliegen die Verbindungsflüge in die verschiedensten Richtungen ab. Unser Flug geht nach Maraba, immerhin ein 2 Stunden Flug. Für die Fussballweltmeisterschaft und für die Olympischen Spiele wird da noch einiges geschen müssen.
Ganz anders der kleine Flughafen in Marabá. Da freut man sich, dass noch alles klein und persönlich ist. Markus hat zwar seine Probleme mit den schlecht ausgebildeten Mitarbeitern gehabt, seine ohnehin begrenzte Freude, über die USA zu fliegen, wurde zusätzlich getrübt durch die Inkompetenz der TAM Mitarbeiter, die keine internationalen Reisenden bedienen können. Dabei ist Maraba Zentrum einer sich in Brasilien schnell entwickelnden Wirtschaftszone. Wenn es früher wesentlich von Viehzucht und Goldfunden in der nahegelegenen Serra Pelada bestimmt war, so ist heute die Nähe zu Carajas bestimmend. In Carajas werden von der VALE die bedeutendsten Erzfunde der Welt gefördert. Im Umkreis von 150 km gibt es 8 neue Hüttenbetriebe. Die Erzvorkommen können für 150 Jahre den Erzbedarf der Welt decken.
Für mich, der ich seit 25 Jahren in die Region komme, hat sich wenig verändert. Der Flughafen ist gleich geblieben, die Stadt sieht nach wie vor wie im Wilden Westen aus. Und wir sitzen zum Essen noch in den gleichen Restaurants wie vor 25 Jahren. An dem gewaltigen Fluss Tocantins, der in Maraba sich mit dem Fluss Itacaiuna vereinigt sitzen wir an der Flusspromenade und essen einen köstlichen Weissfisch , den Tucunaré, in einer Moqueca aus Kokusnusswasser und -milch. Markus der aus Tokio nun die feinsten Genüsse der japanischen Fischküche verinnerlicht hat, ist von diesem einfachen brasilianischen Gericht begeistert, das mit Pirao serviert wird. Ich selber gestehe, dass ich auch lange nicht mehr eine so gute Moqueca gegessen habe. Ein kleiner dünner Junge tritt an unseren Tisch um zu betteln. Früher hätten wir ihm von unserem Essen abgegeben, aber hier hilft der Familie ein kleiner Geldbetrag mehr.
Moqueca mit Tucunaré
Moqueca mit Tucunaré
Noch ist der Tocantins jetzt im Monat Oktober kurz vor der Regenzeit auf Tiefstand. Gewaltige Sandbänke ragen aus den Wassern. Auf den Sandbänken sind kleine Hütten provisorisch errichtet, in dennen Essen und Getränke verkauft werden. Den Sommer verbringen die Stadtbewohner auf den Sandbänken beim Baden und Fischen. Der Sommer hier oben im Amazonasgebiet ist identisch mit unserem Sommer in Europa. Wir haben heisse Tage und kühle Nächte. Im Süden von Brasilien ist es hingegen Winterzeit, mit niedrigen Temperaturen, die allerdings in den Subtropen gemässigt ausfallen.
Goldmine in der Serra Pelada (Sebastiao Salgado)
Goldmine in der Serra Pelada (Sebastiao Salgado)
Vor 25 Jahren hatte die Stadt kaum mehr als 100.000 Bewohner. Ich erinnere mich noch an die grossen Lager der Garimpeiros, den Goldsuchern, die man aus der Serra Pelada vertrieben hatte und die aus Protest vor den Regierungsgebäuden lagerten, um eine Entschädigung zu erhalten, die man ihnen versprochen hatte. Ob ihnen das gelungen ist, entzieht sich meiner Kenntnis, heute sind sie jedenfalls nicht mehr da und die durchgewühlte Serra versucht sich wieder zu erholen. Maraba lebt heute nicht mehr von den Erträgen der Goldsucher, das sind vergangene Zeiten. Heute hat es 240.000 Einwohner und ist für die ganze Gegend ein Wirtschaftszentrum mit den notwendigen Infrastruktureinrichtungen, wie Flugplatz, Rodoviaria, Flusshafen, Strassen und vor allem mit allen Einkaufsmöglichkeiten für die umliegenden Viehfarmen. Von hier aus gibt es auch eine neue Bahnverbindung nach Sao Luis, wo die Erztransporte verschifft werden. Östlich von Maraba nur wenige Kilometer entfernt, beginnt der riesige Stausee von Tucurui, eines der grössten brasilianischen Wasserkraftwerke.
Tucurui Staudamm
Tucurui Staudamm
Für den Süden des Riesenstaates Pará ist Maraba die Einkaufsmetropole. Dieser riesige Staat, ist 3,5 mal so gross wie die Bundesrepublik und wird von dem entfernten Belém an der Amazonasmündung regiert. Im Süden des Staates um Maraba und Carajas macht sich mit seiner starken Wirtschaftstruktur zunehmend Unzufriedenheit breit, weil die Verwaltung nicht effizient von Belem aus arbeiten kann. Schon in der Vergangenheit haben sich in Brasilien Staaten abgespalten um effizienter verwaltet zu werden. Diese Tendenzen sind auch im Süden von Para zu erkennen.
Unser alter Freund Noe von Atzingen ist hier Leiter des Kulturzentrums. Im Kulturzentrum werden die Reste der Indianerkultur gesammelt und die Fauna und Flora des Landes erforscht. Noe hat einer der grössten Sammlungen von wilden Orchideen und in unserem Dorf am Fluss, in den Casas de Umberto, sieht man an den Bäumen überall die wilden Orchideen, die in der Zeit von Noe als Präsident der Fundacion dort gepflanzt wurden.
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