Samstag, 1. Juni 2013

Fleisch essen in Brasilien



Gerade war ich  in einem meiner Lieblingsrestaurants, dem „Fogo de Chao“ in Brasilia.  Warum Fleisch  essen, wenn das  Gemüse und Salatbuffet zum Besten gehört was man sich vorstellen kann? Alle  Platten mit Salaten und Gemüsen  machen den Eindruck, als ob sie  der Koch gerade frisch im Garten geerntet hätte. Das Fogo  ist eine Kette mit 18 Restaurants in den USA und  9 Restaurants in Brasilien. Aber trotz Kette   denke ich , dass man in einem Spitzenrestaurant kein besseres Angebot bekommen kann wie in diesem Kettenrestaurant. Welcher Service, seit Jahren kenne ich keinen Platz, der mich freundlicher bedient. Jedes Mal wenn ich mir Salat hole, steht der Kellner hinter mir und schiebt den Stuhl. Niemals aufdringlich, immer selbstverständlich. Welcher Unterschied zu anderen aufgesetzten Restaurants. 
 
Gerade komme ich aus der Spargelzeit in Deutschland, aber der Spargel hier lässt sich mit dem besten vergleichen. Der Blattsalat, so was von frisch, die  Roten Beete, die Wachteleier,  die Vielfalt der Gemüse, wie ich sie nur in Brasilien kenne, fast werde ich  zum Vegetarier, und halt ich bremse mich,  meinen Apetit muss ich mir für das Fleisch erhalten.
Auf dem Tisch drehe ich meine Signalkarte auf Grün.  Sofort eilen die  Kellner mit dampfenden Spiessen auf mich zu. Anders als in Argentinien,  wo Dir ein grosses Stück vom Grill serviert wird,  natürlich auch ganz etwas wunderbares,  bekommst Du hier die ganze Vielfalt des Fleisches serviert.  In  einer Karte auf dem Tisch studiere ich, was mir jeweils angeboten wird. 
 
Mein Liebling, Picanha,   Prime Cut of Top Sirloin,  welch ein Genuss, sollte man sich nicht auf dieses Stück konzentrieren, aber nein,  hier in Brasilien erlebt man, wie aus allen Teilen des Rindes Wunderwerke hervorgebracht werden.  Costela premium,  wie oft habe ich die in Argentinien bei meinem Freund Kurt gegessen, aber nie so gut wie hier  im  Fogo, das Geheimnis scheint darin zu liegen, dass es vorgekocht wird und dann erst in der letzten Phase  im Ofen   gegrillt wird.  Ancho Premium, der Angelsachse kennt es als Prime Cut oft he Ribeye, eine Delikatesse,  die einem dreifach mundet, wenn man weiss, dass in Brasilien die Stallhaltung und  Mastbeschleunigung verpönt sind. Welche Geschmacksnoten breiten sich auf der Zunge aus, wenn man sich einmal vom Spiess die Scheiben des Ribeye  herunterschneiden lässt. Alcatra com Maminha,  Top Sirloin with Trip-tip,   das Lendensteak mit reichlich Fettpolster um den Saft und Geschmack im Fleisch zu bewahren und natürlich das Filet Mignon,  das Tenderloin, für mich das am meisten zu vernachlässigende Stück, wenn  das Fleisch at ist best  serviert wird. Tenderloin nur dann, wenn die Fleischkultur nicht das bietet, was man in einem solchen Spitzenrestaurant  geboten bekommt. Und dann die grosse brasilianische Spezialität,  Cupim,  auf  englisch  Hump,  der Höcker des Nelore Rindes,  als  Nahrungsreserve von der Natur vorgesehen, und nur  hier in dieser Güte erfahrbar. Das Geheimnis der Zubereitung liegt in  der Vorbereitung.  Das Stück wird vorgekocht und dann erst am Spiess gegrillt. Das Stück, das ich heute gegessen habe, zerfiel auf der Zunge,  so etwas feines  bietet kein manzo bolito und kein Tafelspitz.
 
Das Schöne am  Rodizio,  man bekommt zwar ein Riesenstück am Spiess serviert, aber man lässt sich nur ein Stück, das man sich aussucht vom Spiess  heruntersäbeln.  Ganz frisch, direkt aus dem  Lehmofen.  Die Beilagen vernachlässigt man am Besten,  es lohnt sich die Konzentration auf das Fleisch. An den Nachbartischen sehe ich, wie die Kellner ohne Unterlass die köstlichsten Beilagen herbeischaffen, jede Art der Kartoffel und Manniokzubereitung, gebratene Bananen, Reis, alle Bohnenarten, die in Brasilien kultiviert werden,  jede Art von Gemüsen, die meisten bei uns Europäern unbekannt.  Alles das muss ich zu meinem Leidwesen zurückweisen,  es ist nicht zu schaffen.

Aber für den Nachtisch muss noch Platz sein. Mein  absoluter Lieblingsnachtisch wird hier serviert  Crema de Mamao mit Cassis.  Das ist etwas für den wahren Nachtischfan,  frische Papaya, wie sie es nur in Brasilien gibt,  mit einem guten Vanilleeis püriert und mit etwas Cassis obenauf.  Genial. Auch wenn der Magen schon aufgegeben hat,  dieser Nachtisch muss noch  sein, und wenn uns das Völlegefühl übermannt,  dann zu guter Letzt  einen alten Cachaza,  der in seiner Weichheit und Milde selbst einen Cognac übertrifft.  Alles in allem ein Spitzenvergnügen, in einem der besten Restaurants der Welt, sicher nicht ganz billig,  aber jeden Real wert, den man ausgibt.