
Grosszügige Planung
Die Architektur für das Regierungsviertel ist aus einem Guss. Ob uns die Architektur heute noch zusagt ist eine andere Frage. Eindrucksvoll ist die Konsequenz, mit der das architektonische Konzept umgesetzt wurde. Die Unesco hat Brasilia zum Weltkulturerbe erklärt. Und auch in kommenden Jahren wird die Konsequenz der Leistung mit Sicherheit gewürdigt werden. Für mich steht fest, Brasilia ist eine der grosszügigsten Städte der Welt, und es ist nicht eine Stadt aus der Retorte geworden, inzwischen leben im Grosskreis der Stadt 3,5 Mio Menschen, die Stadt hat also auch nach Außen Atraktivität erhalten.

Die beiden Häuser des Congresses
Mit einem Taxi fahren wir vorbei an den beiden Kammern des Kongresses, in Form zweier sich ergänzender Halbschalen, an der Kathedrale, die erst im Innern ihre volle Wirkung entfaltet, am Präsidentenpalais, wo heute Dilma Rousseff als Präsidentin regiert. Die Präsidentin Dilma ist aus dem Widerstand gegen das Militärregime in die Politik gekommen und setzt als Nachfolgerin von Lula dessen erfolgreiche Wirtschafts-und Sozialpolitik fort.
Über die geschwungenen Brücken über den Stausee verlassen wir das Regierungsviertel und fahren durch grosszügige Wohngebiete von Politikern und Diplomaten. Alles ist parkähnlich angelegt, und die Lebenqualität hier ist nicht zu unterschätzen.

Brücke über den Stausee
Nur der Flughafen passt nicht in das Bild einer grosszügig geplanten Hauptstadt. Der Flughafen platzt aus allen Nähten und unser Flug geht in einem Behelfsbau ab, der für eine neue erfolgreiche Nation unwürdig ist. Ähnlich chaotische Verhältnisse kenne ich nur aus Sao Paulo, wo der Flughafen noch mehr in die Jahre gekommen ist. Der Flughafen in Brasilia ist ein Drehkreuz, von hier fliegen die Verbindungsflüge in die verschiedensten Richtungen ab. Unser Flug geht nach Maraba, immerhin ein 2 Stunden Flug. Für die Fussballweltmeisterschaft und für die Olympischen Spiele wird da noch einiges geschen müssen.
Ganz anders der kleine Flughafen in Marabá. Da freut man sich, dass noch alles klein und persönlich ist. Markus hat zwar seine Probleme mit den schlecht ausgebildeten Mitarbeitern gehabt, seine ohnehin begrenzte Freude, über die USA zu fliegen, wurde zusätzlich getrübt durch die Inkompetenz der TAM Mitarbeiter, die keine internationalen Reisenden bedienen können. Dabei ist Maraba Zentrum einer sich in Brasilien schnell entwickelnden Wirtschaftszone. Wenn es früher wesentlich von Viehzucht und Goldfunden in der nahegelegenen Serra Pelada bestimmt war, so ist heute die Nähe zu Carajas bestimmend. In Carajas werden von der VALE die bedeutendsten Erzfunde der Welt gefördert. Im Umkreis von 150 km gibt es 8 neue Hüttenbetriebe. Die Erzvorkommen können für 150 Jahre den Erzbedarf der Welt decken.
Für mich, der ich seit 25 Jahren in die Region komme, hat sich wenig verändert. Der Flughafen ist gleich geblieben, die Stadt sieht nach wie vor wie im Wilden Westen aus. Und wir sitzen zum Essen noch in den gleichen Restaurants wie vor 25 Jahren. An dem gewaltigen Fluss Tocantins, der in Maraba sich mit dem Fluss Itacaiuna vereinigt sitzen wir an der Flusspromenade und essen einen köstlichen Weissfisch , den Tucunaré, in einer Moqueca aus Kokusnusswasser und -milch. Markus der aus Tokio nun die feinsten Genüsse der japanischen Fischküche verinnerlicht hat, ist von diesem einfachen brasilianischen Gericht begeistert, das mit Pirao serviert wird. Ich selber gestehe, dass ich auch lange nicht mehr eine so gute Moqueca gegessen habe. Ein kleiner dünner Junge tritt an unseren Tisch um zu betteln. Früher hätten wir ihm von unserem Essen abgegeben, aber hier hilft der Familie ein kleiner Geldbetrag mehr.
Moqueca mit Tucunaré
Moqueca mit Tucunaré
Noch ist der Tocantins jetzt im Monat Oktober kurz vor der Regenzeit auf Tiefstand. Gewaltige Sandbänke ragen aus den Wassern. Auf den Sandbänken sind kleine Hütten provisorisch errichtet, in dennen Essen und Getränke verkauft werden. Den Sommer verbringen die Stadtbewohner auf den Sandbänken beim Baden und Fischen. Der Sommer hier oben im Amazonasgebiet ist identisch mit unserem Sommer in Europa. Wir haben heisse Tage und kühle Nächte. Im Süden von Brasilien ist es hingegen Winterzeit, mit niedrigen Temperaturen, die allerdings in den Subtropen gemässigt ausfallen.
Goldmine in der Serra Pelada (Sebastiao Salgado)
Goldmine in der Serra Pelada (Sebastiao Salgado)
Vor 25 Jahren hatte die Stadt kaum mehr als 100.000 Bewohner. Ich erinnere mich noch an die grossen Lager der Garimpeiros, den Goldsuchern, die man aus der Serra Pelada vertrieben hatte und die aus Protest vor den Regierungsgebäuden lagerten, um eine Entschädigung zu erhalten, die man ihnen versprochen hatte. Ob ihnen das gelungen ist, entzieht sich meiner Kenntnis, heute sind sie jedenfalls nicht mehr da und die durchgewühlte Serra versucht sich wieder zu erholen. Maraba lebt heute nicht mehr von den Erträgen der Goldsucher, das sind vergangene Zeiten. Heute hat es 240.000 Einwohner und ist für die ganze Gegend ein Wirtschaftszentrum mit den notwendigen Infrastruktureinrichtungen, wie Flugplatz, Rodoviaria, Flusshafen, Strassen und vor allem mit allen Einkaufsmöglichkeiten für die umliegenden Viehfarmen. Von hier aus gibt es auch eine neue Bahnverbindung nach Sao Luis, wo die Erztransporte verschifft werden. Östlich von Maraba nur wenige Kilometer entfernt, beginnt der riesige Stausee von Tucurui, eines der grössten brasilianischen Wasserkraftwerke.
Tucurui Staudamm
Tucurui Staudamm
Für den Süden des Riesenstaates Pará ist Maraba die Einkaufsmetropole. Dieser riesige Staat, ist 3,5 mal so gross wie die Bundesrepublik und wird von dem entfernten Belém an der Amazonasmündung regiert. Im Süden des Staates um Maraba und Carajas macht sich mit seiner starken Wirtschaftstruktur zunehmend Unzufriedenheit breit, weil die Verwaltung nicht effizient von Belem aus arbeiten kann. Schon in der Vergangenheit haben sich in Brasilien Staaten abgespalten um effizienter verwaltet zu werden. Diese Tendenzen sind auch im Süden von Para zu erkennen.
Unser alter Freund Noe von Atzingen ist hier Leiter des Kulturzentrums. Im Kulturzentrum werden die Reste der Indianerkultur gesammelt und die Fauna und Flora des Landes erforscht. Noe hat einer der grössten Sammlungen von wilden Orchideen und in unserem Dorf am Fluss, in den Casas de Umberto, sieht man an den Bäumen überall die wilden Orchideen, die in der Zeit von Noe als Präsident der Fundacion dort gepflanzt wurden.





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