Seit 20 Jahren fahren wir mit einigen Jagdfreunden nach
Argentinien. Am 20. März beginnt die Brunft der Hirsche. In
Buenos Aires holt mich Kurt vom Flughafen ab und wir fahren direkt
hinaus nach Bonifacio auf die Farm - Las
Margeritas. Beim Geldwechseln fällt mir
auf, dass es keine Dollar zu kaufen gibt, weil Argentinien wieder
wirtschaftlich am Abgrund steht. Diesem Land gelingt es nicht, seine Kaste von
korrupten Politikern abzuschütteln. Dabei ist der Reichtum an Böden und
Bodenschätzen immens, das Land könnte reich sein, wenn nicht durch staatliche
Eingriffe in die Wirtschaft eine hohe Inflation entstünde die direkt in den
nächsten Zusammenbruch steuert.
Die Margarita habe ich aus ersten Anfängen entstehen
sehen. Es ist erstaunlich, wie durch die
Energie eines Menschen ein blühender Wirtschaftsbetrieb entsteht, und vorher langsam
der gleiche Betrieb über Generationen abgewirtschaftet wurde. Unser
Freund Hasso hat hier in den letzten 15 Jahren eine vorbildlichen Hacienda aufgebaut, auch wenn die argentinischen Farmverwalter
ihn sicherlich oft zurückgeworfen haben. Es macht Freude zu sehen, wie die Felder stehen,
die Rinderherden immer weiter wachsen,
und wir fahren durch die Soja,
Hirse und Sonnenblumenfelder und freuen
uns an dem Reichtum der Landschaft.
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| Black Angus in der Pampa |
Hier hat eine Bremer Kaufmannsfamilie in den Anfängen von
Argentinien ein kleines Imperium auf- gebaut, schon seit den argentinischen
Eroberungskriegen in denen die Urbevölkerung
vertrieben wurde. Die beiden grossen Gutshäuser auf der Farm könnten
auch in Bremen stehen, das eine Haus ganz aus Ziegelsteinen,
das andere Haus ganz im klassizistischen Stil errichtet. Als Hasso die
Farm übernahm war alles heruntergekommen und es ist eine Freude zu sehen, wie er alles perfekt restauriert hat. Der
Park wirkt durch den alten Baumbestand besonders stattlich, in Deutschland
würden wir so etwas in Ostpreussen in der alten Zeit erwarten, denn die
kleinteiligen Betriebe in Deutschland lassen nicht mehr diesen Aufwand zu, den
in Argentinien 7.000 ha noch ermöglichen. Als Kurt auf der anderen Seite der
Laguna Alsina noch seinen Betrieb bewirtschaftete konnten sich die beiden
Nachbarn noch zum abendlichen Churrasco besuchen. Heute versammeln wir uns bei
Hasso, Platz ist genug da für uns
10 Jagdgäste, fünf von uns aus dem Altbestand, der seit 20
Jahren nach Argentinien kommt, und
fünf Freunde von Rasso, der vielversprechende Nachwuchs, der uns
langsam ablöst.
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| Churrasco am Abend |
Wir kommen sehr
gepflegt in den Gästezimmern der
Hacienda unter. Am Abend findet immer
ein Churrasco statt, bei dem die feinsten Stücke vom Rind, aber auch einmal ein
Lamm gebraten werden. Besonders gut gelingt die Tira, Rippenstücke, die wenn sie zart sind zum Besten des Rindes
gehören. Hasso hat diesmal einige besonders gute argentinische Weine
ausgesucht, die sich angenehm abheben von dem San Huberto, den wir auf der
Jagdfarm trinken.
Am 20.3. geht es dann
los zur Jagdfarm Los Vertientes, in Carro Quemado, der Name weist auf ein Ereignis aus der Pionierzeit hin, als hier ein Karren verbrannt ist. Wir befinden uns in der Trockenpampa, ein
ganzes Stück hinter Santa Rosa. Hier ist
nur extensive Viehzucht möglich, Die Landschaft ist leicht hügelig, mit Büschen
wilden Gräsern und den leguminosen Hartholzbäumen, den Caldén bedeckt. Das Wetter ist am Tag noch warm und lässt uns
noch den Sommer spüren. Nachts wird es aber empfindlich kalt, bis minus
2°, ideale Voraussetzungen für die Brunft. Wenn die Sonne untergeht erstrahlt über uns
der unglaublich klare Himmes des Südens,
mit einem Sternenmeer, wie wir es in Europa in unseren erleuteten
Landschaften kaum mehr kennen. Um uns brunften die Hirsche und wir freuen uns
schon auf den Morgen, wenn wir bei
Dunkelheit hinausgehen, um uns an den Hirsch zu pirsche, vom Klang der Stimme
geleitet, bevor er sich in seinem Tagesplatz zur Ruhe niederlegt.
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| Ciervo con Embras |
Um 5.30 h klingelt der Wecker von Kurt. Schnell werden die Jagdsachen
zusammengestellt. Draussen ist es noch finstere Nacht. In der Ferne röhren die
Hirsche. Ich habe wieder meinen Führer
Javier, den ich auch vor 2 Jahren hatte. Damals habe ich gleich am ersten Abend
einen stattlichen Hirsch geschossen, wie wir sie in Deutschland praktisch nie
freibekommen. Es ist empfindlich kalt
und ich bedaure es, keine Handschuhe mitgenommen zu haben. Javier arbeitet auf
der Farm und die Jagd ist für den passionierten
Jäger eine angenehme Abwechslung zur Farmarbeit. Er kennt sich natürlich besonders gut auf der
Farm aus, die immerhin 16.000 ha gross
ist, aber nur Futter für etwa 1.000
Rinder bietet. Die Jagdfarm hat sich auf die Zucht von Hereford
spezialisiert. Die Tiere sind in dem
trockenen Klima besonders stattlich und machen einen guten
Eindruck. Die Farm lebt von dem Verkauf
der Kälber, bestimmt ein sehr karges Geschäft, bei dem jedes Extraeinkommen,
wie das der Jagd, willkommen ist.
| Morgenröte in der Pampa |
Mit 5 Camionetas fahren wir in die Dunkelheit. Die Wagen verteilen sich über die Farm, jeder
Jäger hat seinen eigenen Führer, der massgeblich für den Erfolg der Jagd
verantwortlich ist. Wo ich abgesetzt
werde, noch in völliger Dunkelheit, höre
ich die Hirsche in der Ferne röhren. Wir, der Führer und ich, schaffen uns in der Dunkelheit langsam in die Landschaft, immer dem Klang
der Hirsche folgend. Dabei gilt es keine
Geräusche zu machen, ein knackender Ast könnte den schlauen Embras verraten,
dass sich der Mensch nähert. Die frische
Morgenbrise aus der richtigen Richtung hilft uns an
das Brunften heranzukommen.
Schliesslich sind wir von 3 Hirschen umgeben, die in nächster Nähe, vielleicht 60 m entfernt, brunften. Wir warten in einer Baumdeckung ab. Dichter trauen wir uns nicht heran, weil wir
ohne Deckung schnell von den Embras
entdeckt werden können und dann war alle Mühe umsonst. Aber alles Warten hilft nichts, die Hirsche
kommen nicht aus dem Dickicht .
Die Sonne geht auf, und die Aktivität der Hirsche lässt nach. Wir hören,
wie sie sich langsam entfernen. Wir
pirschen der kräftigsten Stimme nach, die immer wieder Laut gibt und uns damit
den Weg weist. Oft verhoffen wir, der Hirsch steht in einem Busch nur 30 m
entfernt, wir hören ihn fegen, Staub steigt auf, er tut uns aber nicht den
Gefallen, sich zu zeigen. Das Gestrüpp
ist sehr dicht und schliesslich müssen wir aufgeben und
der Hirsch zieht ohne uns seine Bahn.
| Warten auf den Hirsch |
Ein wunderbares Jagderlebnis, Jäger und Hirsch haben die gleichen Chancen, und diesmal hat der Hirsch gewonnen. Javier mein Jagdführer hat nur dünne Latschen
an, ein ungenügender Schutz gegen die Rosettas, kleine Kletten, die
sich an alles heften. Auch die Ledergalloschen bieten nur ungenügenden Schutz. Javier bückt sich, um die Kletten
abzuklauben, die beim Gehen äusserst lästig sind. Ich hoffe, dass er sein Trinkgeld in ein
besseres Schuhwerk anlegt und das nächste Mal etwas besser ausgerüstet ist.
| Unsere Jagdgruppe beim Essen |
Wir kehren zum Frühstück in die Farm zurück. Inzwischen ist die Sonne stark genug um
draussen zu sitzen. Jeder bekommt von unserer Köchin 3
Spiegeleier mit Speck, dazu ein
selbstgebackenes Brot und eine gute Marmelade.
Selbst der Kaffee mit warmer Milch ist von ausgezeichneter
Qualität. Die Milch wir jeden Morgen
frisch gemolken, wie in der alten Zeit. Nach dem Frühstück zieht sich die ganze
Manschaft in ihre Unterkünfte zurück, einige um zu duschen, die meisten aber um die kurze Nacht etwas zu
verlängern.
Rasso und seine Freunde nutzen die Zeit bis Mittag, um noch
auf Antilopen zu gehen. Der Ehemann von
Victoria ist Spanier und hat ein Gatter angrenzend an die Farm. Manchmal gelingt einer Antilope der Ausbruch
aus dem Gatter. Aber ein typisches Tier ist das nicht für diese Gegend. So war ihnen auch kein Erfolg gegönnt, was
wir anderen uns schon gedacht haben.
Um 17.30 h versammeln wir uns wieder und ab geht es mit
unseren Führern zur Abendpirsch. Javier will es besonders gut machen und
wechselt oft das Revier, weil er von seinen Kollegen während des Tages
Informationen gesammelt hat. Abends brunften die Hirsche nicht solange die
Sonne draussen ist, aber sein gutes Gehör macht
auch jetzt noch typische Geräusche aus und wir machen mehrfach Hirsche
hoch, die in ihrem Tageseinstand liegen, aber alle leider mit schwachen Köpfen
und für diese habe ich nicht die Fahrt bis Argentinien unternommen.
| Pampasgras in der Abenddämmerung |
Abends nach der Pirsch treffen die Jäger gegen 21 h
wieder im Camp ein. An einem Lagerfeuer wird ein Bier genommen, es gibt das gute Quilmes, ein
Ableger von Warstein. Die Jagderlebnisse werden ausgetauscht und kleine
Leckereien aus der Küche stillen den ersten Hunger. Es gibt immer sehr gutes
Fleisch und einen kräftigen Landwein, den San Huberto. Alle Jäger sind müde vom
Tag, es wurde viel erlebt und viel geleistet.
Diese Pirsch in der weiten trockenen Landschaft stellt hohe
Anforderungen an den Jäger. Jeden Tag laufen wir mindestens 4 Stunden. Das Anpirschen muss absolut lautlos geschehen. Der
eigentliche Schuss muss in dem Gestrüpp oft freihändig erfolgen, bei weiten
Schüssen setzen die meisten einen Schiessstock ein. Dann betragen die Entfernungen über 100m
. Am ersten Tag war der Jagderfolg nur eine
Antilope. Am zweiten Tag fiel ein Hirsch, kein starkes Stück, aber für den
Schützen ein schöner Erfolg. Erst am
dritten Tag fielen noch 5 Hirsche, so dass
wir auf insgesamt 7 Hirsche
kamen, bei 10 Jägern. Tatsächlich in
letzter Minute stellte sich noch der Jagderfolg ein, nachdem wir schon langsam zweifelten noch zum Schuss
zu kommen. Ein wirklich starker Kopf wie in den
Vorjahren war nicht dabei.
Trotzdem waren alle zufrieden, vor allem die Jagderlebnisse waren
besonders, wo hat man so eine ursprüngliche Pirsch auf den Hirsch.
Seitdem Victoria die Bewirtschaftung übernommen hat, ist
auch die Unterbringung und Verpflegung
sehr verbessert. Bei ihren Eltern
hatte man gar nicht das Gefühl, dass sich jemand richtig kümmert. Jetzt stimmt
auch die Küche, der Service und die Kleinigkeiten, die es uns ermöglichen, uns
wohl zu fühlen. Als wir schliesslich am letzten Jagdmorgen alle geschossenen Köpfe aufreihen und die
letzten Fotos schiessen, sind alle Generationen zufrieden, jeder ist zu seinem Jagdglück gekommen, die
Schützen zu ihren Trophäen, die anderen zu wunderbaren Pirscherlebnissen. Wir beschliessen, im nächsten Jahr wieder
dabei zu sein, bei einer der schönsten Hirschjagden, die man sich wünschen kann.
| Abschiedsessen in der Pampa |







