Freitag, 19. Oktober 2012

An den Stränden von Pipa

                            Wechsel von Felsen und Sand und dahinter die bewaldete Küste

Wenn man von Natal  die BR 101 in Richtung Süden fährt, dann  kann man sich nicht mehr vorstellen, dass noch vor drei Jahren auf dieser wichtigen Verbindungsstrasse, die vom äussersten Norden bis in den Süden des Landes führt, nur zweispuriger Verkehr möglich war. Jetzt hat sich die Fahrzeit nach Praia de Pipa auf eine knappe Stunde verkürzt und die Strasse  ähnelt einer Autobahn.  Wir befinden uns im Nordosten von Brasilien, bis vor wenigen Jahren von Armut geprägt.  Wegen der armen sandigen Böden war Landwirtschaft nur eingeschränkt möglich und der Anbau bestand im wesentlichen aus Zuckerrohr und Kokosnussplantagen. Durch den Verfall des Zuckerpreises im  18. Jahrhunder fiel diese Landschaft in bittere Armut. Heute hat die Gegend einen enormen Aufschwung erfahren,  Zuckerrohr ist ein begehrtes Produkt für die Herstellung von   Biosprit  geworden. Die ganze Gegend ist landwirtschaftlich genutzt und es werden jährlich 2 bis 3  Zuckerrohrernten eingefahren.  Über Goianinha, einer schläfrigen Provinzstadt, die durch die neue Prosperität wieder zu Leben erwacht,  geht es durch  kleine Dörfer auf einer Nebenstrasse nach  Tibau do Sul und dann weiter nach Praia de Pipa. Ich wohne wieder in der Pousada Thalassa, die jedes Jahr schöner wird.
                                          Open Air Lounge in Pousada Thalassa

Bis vor wenigen Jahren war Praia de Pipa ein kleines Fischerdorf, mit wenigen hundert Einwohnern.  Dann kamen die  ersten Touristen, meistens noch Hippies und entdeckten die goldenen Strände um Pipa.  Oft waren dies Europäer,  Portugiesen, Spanier und Italiener, die sich hier wohlfühlten. Noch heute sind die altgewordenen Hippies mit dem Verkauf von selbstgefertigtem Schmuck beschäftigt.  Der Charakter des alten Fischerdorfes mit seinen armen Hütten und seinem Kopfsteinpflaster ist erhalten geblieben.  Der ganze Ort besteht praktisch nur aus  einer gepflasterten Hauptstrasse,  nur wohnen heute in den Häusern nicht mehr die Fischer, sondern ein Restaurant, Laden und Bar reiht sich aneinander.  Abends wacht diese  Hauptstrasse auf und  es findet  eine Völkerwanderung statt. Hauptsächlich junge Leute aus  aller Herren Länder feiern  die Nacht durch und enden in der einzigen  Diskothek, dem Calango.

                                          Praia do Amor

Für mich sind in Pipa die Strände  am Schönsten. Der unabhängige Führer Quatro Rodas zählt die Strände um Pipa zu den schönsten in Brasilien.  Um alles erforschen zu können, sollte man sich einen kleinen Mietwagen oder einen Motorroller mieten.  Den Hauptstrand von Pipa erreicht man direkt vom Zentrum.  Die Dorfvorsteher haben dort  einen kleinen Platz geschaffen, den es vorher nicht gab.  Dort führen die jugendlichen abends Tänze auf  und  treffen sich, weil das Taschengeld noch nicht reicht, um am Nachtleben teilzunehmen. Am Haupstrand reiht sich eine  Barraca an die andere.  Barracas sind die kleinen Strandrestaurants in Brasilien, in denen man Getränke und  Fisch bekommt.  Die Plastiktische und Stühle stehen mit ihren Schirmen meist bis ins Wasser. Die Brasilianer lieben es  ihr Cerveza  und Essen mit dem Füssen im Wasser einzunehmen.  Das vermittelt ihnen das echte Urlaubsgefühl.  Hingegen gehen sie nicht  so gerne ins Meer, vielleicht können viele nicht schwimmen, sondern verbringen nach ihrem Strandmorgen den ganzen Nachmittag im Pool ihrer Pousada.  Das Meer hat den Hauptstrand wieder einmal verändert. Im letzten Jahr war zwischen den Barracas und dem Strand eine Lagune entsstanden und die Kellner mussten durch diese flache Lagune waten, um das Essen  zu  ihren Gästen zu bringen. Dieses Jahr ist die Lagune verschwunden und der eigentliche Strand breiter geworden.  Schon auf dem Weg zum Strand wird man von zahlreichen Schleppern angesprochen, die ihre  Restaurants und  Schiffe empfehlen, mit denen die Feriengäste  eine Reise entlang der Küste unternehmen können.

                                          Barraca am Strand

Ich ziehe es vor dem Trubel des Haupstrandes zu  entweichen und wandere langsam durch den feinkörnigen Sand  in Richtung Süden.  Der Charme dieser Küste liegt  in  dem Wechsel von Sand und Felsen. Jetzt bei zurückweichendem Wasser,  die Gezeiten sind hier stark ausgeprägt,  kommen Felsen aus dem Wasser und bilden kleine Badebecken, in denen die Brasilianer mit ihren  Kindern sitzen und vergnügt planschen.  Hier an der Ostküste des Landes spielt sich das Badeleben am Vormittag bis ca 15 Uhr ab. Dann fangen die Schatten der steilen Felsenkuste  allmählich den Strand einzunehmen und die  Sonnensuchenden wandern ab in ihre jeweiligen Pousadas.  Ich gehe  vorbei an dem Kap, das man jetzt bei Ebbe umrunden kann, durch malerische Felsengruppen, zwischen denen immer der goldene Sand liegt und  komme an den Praia do Amor.  In der Karte steht hier auch der Name Praia dos Afogados,  der Strand der Ertrunkenen.  Dieser Name war wohl für den Tourismus nicht förderlich und die Stadtväter haben ihn dann in den Liebesstrand umgetauft. Der Strand ist ein reiner Sandstrand, ohne Felsen, hat eine ausgeprägte Brandung, weil es keine vorgelagerten Riffs gibt und es gibt auch Unterströmungen.  Wer es gewohnt ist, mit den Wellen und Strömungen zu schwimmen, geht kein grösseres Risiko ein.  Man sollte aber ein sicherer Schwimmer sein und die grossen Wellen untertauchen können.  Hier gibt es auch eine Barraca die Liegestühle verleiht,  und ein langer menschenleerer Strand mit Kokosnussbäumen gesäumt  lädt zum Spazierengehen ein.  Der Strand endet am Chapadao, einer steilen Felsenwand, die direkt ans Wasser reicht.  Von oben hat man einen wunderbaren Blick  über die Küste und Strände. In der Barraca esse ich einen ausgezeichneten Weissfisch und trinke einen Chope  Skol,  das  brasilianische Wort chope  kommt aus der deutschen Biertradition,  die Marke Skol aus dem skandinavischen – überall trifft man auf die Spuren der Einwanderer.

                                 Praia do Amor

Geht man den Strand weiter, so kommt man über den menschenleeren Praia das Minas bis zum nächsten Ort  Sibauma.   Hier soll im 17. Jahrhundert ein Sklavenschiff gestrandet sein. Die Überlebenden wurden nicht versklavt sondern gründeten ein Quilombo, einen Ort für befreite Sklaven.  Die Bewohner sollen noch direkt von dieser überlebenden Sklavenfracht abstammen.
Am nächsten Morgen möchte ich die Nordstrände von  Pipa erforschen. Oft bin ich über den Strand im Zentrum von Pipa bei Ebbe zum Praia do Corral  gegangen,  das geht allerdings nur, wenn die Ebbe Tiefstand hat und man über die Steine  am Kap klettern kann. Dafür belohnt dieser  Strand einen mit Einsamkeit, keine Liegestühle, nur der golden glänzende Sand  in den zurückweichenden Wellen und draussen die spielenden Delfine.

                                            Praia do Madeiro

Es ist aber Flut, und ich kann nicht zu Fuss gehen. Ich nehme meinen Mietwagen und fahre an den  Praia do Madeiro, den beliebtesten Badestrand von Pipa. Der Zugang zum Strand ist ein bisschen  beschwerlich, über eine Holztreppe geht es den bewaldeten Steilhang hinab.  Unten hat das Meer  wieder ein Stück mehr von  der vorgeschobenen Palmenküste weggefressen. Es sind weniger Barracas und Strandliegen als im letzten Jahr vorhanden.  Angeblich hat IBAMA,  die staatliche Naturschutzbehörde,  den Abriss von wilden Strandbauten verfügt. Auch die recht urige Strandhütte des Inhabers der Diskothek Joy auf Teneriffa ist verschwunden. Hier hatten wir in Hängematten im letzten Jahr noch eine guten Caipirinha getrunken und uns über die alten Zeiten in Teneriffa unterhalten.  Nur die Verleiher von Surfbrettern  sind die gleichen geblieben. Die  starken Passatwinde sorgen für einen schönen Wellengang,  ideal für Surfer. Neu sind   die zahlreichen Kitesurfer, die sich vom Wind über die Wellen tragen lassen. Die abgerissenen Strandbuden vermisst man nicht,  die Natur wird zurückgebaut.

Ich mache einen langen Strandspaziergang über den Praia do Madeiro bis zum Praia da  Cacimbinha. Hat man einmal die  Liegestühle an den Treppen verlassen, ist bald kein Spaziergänger mehr in Sicht. Der Strand  bietet sich in seiner ganzen Ursprünglichkeit an.  Umgestürzte Palmen, unterspültes Wurzelwerk,  alles was das Meer anspült,  kaum Plastikreste,  eine noch kaum berührte Natur zu der man nur über die wenigen Treppen gelangen kann, die an der Steilküste vorhanden sind.  Bis zur Punta de Pirambú  gelange ich nicht. Eine sehr schöne gepflegte Anlage am Hang, von einem Deutschen angelegt, in der man in clubähnlicher Atmosphäre den Tag auf Liegestühlen  am Pool  oder im Restaurant verbringen kann. Der Zugang zu der Anlage erfolgt über eine altmodische Holzseilbahn, die man skeptisch betrachtet, aber die einen sicher ans  Ziel bringt.
                                Fähre über die Lagoa Guarairas

Ich gehe den Strand zurück um rechtzeitig zum Sonnenuntergang in Tibaul do Sul zu sein. Tibaul do Sul ist die Prefeitura des Verwaltunsbezirkes für Pipa. Mit etwas weniger Tourismus zeigt Tibaul  noch mehr die originären  Strukturen eines kleinen Fischerortes  im Nordosten. Den Charme dieses Ortes macht die Lagoa Guarairas  aus. Eine riesige Wasserlandschaft, die sich an dieser Stelle durch einen schmalen Durchbruch tief in das Land hineinerstreckt. In der Lagune befindet sich der kleine Hafen  von Tibau, der nur bei Flut angesteuert werden kann.  Eine landestypische Fähre stellt die Verbindung zur anderen Seite her.  Auf der anderen Seite der Bucht erstreckt sich die unberührte Dünenlandschaft von Marembá.  Bei Ebbe kann man mit einem Strandbuggy oder Vierradantrieb übersetzen und am Strand  nach Buzios fahren.  Eine äusserst lohnenswerte Fahrt, die einen die Abenteuer einer Wüstenlandschaft erleben lässt.
Es ist schon spät und um 17.30 h geht die Sonne unter. Ich verlasse die Strandbuden von Tibau und fahre auf den kleinen Besucherparkplatz des Hotels Marinas, das direkt über der Lagoa  liegt.  Eine vorgelagerte kleine Holzplatform mit Creperie und Bar ist schon gut besetzt. Alles wartet auf den Sonnenuntergang. Bei einem Sundowner und klassischer Musik  schiebt sich langsam der Sonnenball in die Lagune.  Die Menschen hören auf zu sprechen, dieses immer wieder gewaltige Naturschauspiel lässt sie verstummen.  Nur  das Summen und Piepsen der Kameras ist noch zu hören. 

                                Sonnenuntergang über der Lagoa  Guarairas

Mittwoch, 10. Oktober 2012

Von Brasilia nach Marabá

Es ist immer ein langer Flug, wenn man sich in Frankfurt ins Flugzeug setzt und die 10 Stunden nach Recife durchfliegt. Diesmal ging es noch gleich weiter bis Brasilia, wo ich mich mit Markus, dem Freund von Andreas treffen wollte. Die erste Nacht ist immer mühsam. Wenn es 3 Uhr nachts ist, dann signalisiert das Körpersystem 8 h morgens, und ohne recht Schlaf gefunden zu haben springt man bereits in den neuen Tag. Wie das bei den Flugbegleitern und Piloten funktioniert ist mir nicht nachvollziehbar. Ich treffe mich mit Markus pünktlich morgens zum Frühstück im Melia und wir beschliessen noch etwas von der Stadt zu sehen. Markus ist zum ersten Mal dort. Man kann sich nicht der Vision entziehen die der Architekt Oskar Niemeyer und der damalige Präsident Joselino Kubitschek von ihrer künftigen Hauptstadt hatten. Ich kenne keine andere Stadt, in der so konsequent ein architektonisches Konzept durchgezogen wurde. Die Grosszügigkeit der Planung hat Avenidas geschaffen, die in ihrer Ausdehnung und Breite kaum vom Fussgänger überquert werden können. Markus kommentierte: eine Idealstadt für den Autofahrer.

Grosszügige Planung

Die Architektur für das Regierungsviertel ist aus einem Guss. Ob uns die Architektur heute noch zusagt ist eine andere Frage. Eindrucksvoll ist die Konsequenz, mit der das architektonische Konzept umgesetzt wurde. Die Unesco hat Brasilia zum Weltkulturerbe erklärt. Und auch in kommenden Jahren wird die Konsequenz der Leistung mit Sicherheit gewürdigt werden. Für mich steht fest, Brasilia ist eine der grosszügigsten Städte der Welt, und es ist nicht eine Stadt aus der Retorte geworden, inzwischen leben im Grosskreis der Stadt 3,5 Mio Menschen, die Stadt hat also auch nach Außen Atraktivität erhalten.


Die beiden Häuser des Congresses

Mit einem Taxi fahren wir vorbei an den beiden Kammern des Kongresses, in Form zweier sich ergänzender Halbschalen, an der Kathedrale, die erst im Innern ihre volle Wirkung entfaltet, am Präsidentenpalais, wo heute Dilma Rousseff als Präsidentin regiert. Die Präsidentin Dilma ist aus dem Widerstand gegen das Militärregime in die Politik gekommen und setzt als Nachfolgerin von Lula dessen erfolgreiche Wirtschafts-und Sozialpolitik fort.
Über die geschwungenen Brücken über den Stausee verlassen wir das Regierungsviertel und fahren durch grosszügige Wohngebiete von Politikern und Diplomaten. Alles ist parkähnlich angelegt, und die Lebenqualität hier ist nicht zu unterschätzen.


Brücke über den Stausee


Nur der Flughafen passt nicht in das Bild einer grosszügig geplanten Hauptstadt.  Der Flughafen platzt aus allen Nähten und unser Flug geht in einem Behelfsbau ab, der für eine neue erfolgreiche Nation  unwürdig ist. Ähnlich  chaotische Verhältnisse kenne ich nur aus Sao Paulo, wo der Flughafen noch mehr in die Jahre gekommen ist.  Der Flughafen in Brasilia ist ein Drehkreuz, von hier fliegen  die Verbindungsflüge in die verschiedensten Richtungen ab.  Unser Flug geht nach Maraba,  immerhin ein 2 Stunden Flug.  Für die Fussballweltmeisterschaft und für die Olympischen Spiele wird da noch einiges geschen müssen.
                                         Mündung des Itacaiuna  in den Tocantins und Stadt Maraba

Ganz anders der kleine Flughafen in Marabá.  Da freut man sich, dass noch alles klein und persönlich ist.   Markus hat zwar seine Probleme mit den schlecht ausgebildeten  Mitarbeitern gehabt, seine ohnehin begrenzte Freude,  über die USA  zu fliegen, wurde zusätzlich getrübt durch die Inkompetenz der TAM  Mitarbeiter, die keine internationalen Reisenden bedienen können.       Dabei ist Maraba Zentrum einer sich  in Brasilien schnell entwickelnden Wirtschaftszone.  Wenn es früher wesentlich von Viehzucht und  Goldfunden in der nahegelegenen  Serra Pelada bestimmt war, so ist heute die Nähe zu Carajas bestimmend.  In  Carajas werden von der  VALE   die bedeutendsten Erzfunde der Welt gefördert.  Im Umkreis von 150 km  gibt es 8 neue Hüttenbetriebe. Die  Erzvorkommen können für 150 Jahre den Erzbedarf der Welt decken.
                                                   Carajas,  Erzminen

Für mich, der ich seit  25 Jahren in die Region komme, hat sich wenig verändert. Der Flughafen ist gleich geblieben, die Stadt sieht nach wie vor wie im Wilden Westen aus. Und wir sitzen zum Essen noch in den gleichen Restaurants wie vor 25 Jahren. An dem gewaltigen Fluss Tocantins, der in Maraba sich mit dem Fluss Itacaiuna  vereinigt sitzen wir an der Flusspromenade und essen  einen köstlichen Weissfisch , den Tucunaré,  in einer Moqueca aus  Kokusnusswasser und  -milch. Markus der aus Tokio nun die feinsten  Genüsse der japanischen Fischküche verinnerlicht hat, ist von diesem einfachen brasilianischen Gericht begeistert, das mit  Pirao serviert wird. Ich selber gestehe, dass ich auch lange nicht mehr eine so gute Moqueca gegessen habe.  Ein kleiner dünner Junge tritt an unseren Tisch  um zu betteln. Früher hätten wir ihm von unserem Essen abgegeben, aber hier hilft der Familie  ein kleiner Geldbetrag mehr.


                                                       Moqueca mit Tucunaré

Noch ist der Tocantins  jetzt im Monat Oktober kurz vor der Regenzeit  auf Tiefstand.  Gewaltige  Sandbänke  ragen aus den Wassern. Auf den Sandbänken sind  kleine Hütten provisorisch errichtet, in dennen Essen und Getränke verkauft werden. Den Sommer verbringen die Stadtbewohner  auf den Sandbänken beim Baden und Fischen. Der Sommer hier oben im Amazonasgebiet ist identisch mit unserem Sommer in Europa.  Wir haben heisse Tage und  kühle Nächte. Im Süden von Brasilien ist es  hingegen Winterzeit, mit niedrigen Temperaturen, die allerdings in den Subtropen gemässigt ausfallen.
                                             Goldmine in der Serra Pelada (Sebastiao Salgado)

Vor 25  Jahren hatte die Stadt  kaum mehr als 100.000 Bewohner. Ich erinnere mich noch an die grossen  Lager der Garimpeiros, den Goldsuchern, die man aus der Serra Pelada vertrieben hatte und die aus Protest vor den Regierungsgebäuden lagerten, um eine Entschädigung zu erhalten, die man ihnen versprochen hatte.  Ob  ihnen das gelungen ist, entzieht sich meiner Kenntnis,  heute sind sie jedenfalls nicht mehr da und die durchgewühlte Serra versucht sich wieder zu erholen. Maraba lebt heute nicht mehr von  den Erträgen der Goldsucher, das sind vergangene Zeiten. Heute  hat es 240.000 Einwohner und ist für die ganze Gegend ein Wirtschaftszentrum mit den notwendigen Infrastruktureinrichtungen, wie Flugplatz, Rodoviaria, Flusshafen, Strassen  und vor allem  mit allen Einkaufsmöglichkeiten  für die umliegenden  Viehfarmen.  Von hier  aus gibt es auch eine neue Bahnverbindung nach Sao Luis, wo die Erztransporte verschifft werden.  Östlich von Maraba  nur wenige  Kilometer entfernt,  beginnt der riesige Stausee von Tucurui, eines der grössten  brasilianischen Wasserkraftwerke.

                                                             Tucurui Staudamm
Für den Süden  des Riesenstaates Pará  ist  Maraba die  Einkaufsmetropole.  Dieser riesige Staat, ist 3,5  mal so gross  wie die Bundesrepublik und wird von dem entfernten Belém  an der Amazonasmündung regiert.  Im Süden des Staates  um Maraba und Carajas macht sich mit seiner  starken Wirtschaftstruktur zunehmend  Unzufriedenheit breit, weil die Verwaltung nicht effizient von Belem aus arbeiten kann.  Schon in der Vergangenheit haben sich in Brasilien  Staaten  abgespalten um effizienter verwaltet zu werden.  Diese Tendenzen sind auch im Süden von Para zu erkennen.
Unser alter Freund Noe von Atzingen  ist  hier Leiter des Kulturzentrums.  Im  Kulturzentrum werden die  Reste der Indianerkultur gesammelt und  die Fauna und Flora des Landes  erforscht. Noe hat einer der grössten Sammlungen  von wilden Orchideen und in unserem Dorf am Fluss, in den Casas de Umberto,  sieht man an den Bäumen  überall die wilden Orchideen, die in der Zeit  von Noe als Präsident der Fundacion dort  gepflanzt wurden.
Leider reicht unsere Zeit nicht  für einen Besuch im Kulturzentrum, sondern wir müssen uns  auf die Transamazonica  machen um rechtzeitig  vor Dunkelheit die Farm zu erreichen. 

                        Karte der Transamazonica, unsere Fahrt von Maraba nach Palestina