Donnerstag, 27. März 2014

Jagdeindrücke aus Argentinien


Seit 20 Jahren fahren wir mit einigen Jagdfreunden nach Argentinien. Am 20. März beginnt die Brunft der Hirsche.  In  Buenos Aires holt mich Kurt vom Flughafen ab und wir fahren direkt hinaus nach Bonifacio auf die Farm  - Las Margeritas.  Beim Geldwechseln fällt mir auf, dass es keine Dollar zu kaufen gibt, weil Argentinien wieder wirtschaftlich am Abgrund steht. Diesem Land gelingt es nicht, seine Kaste von korrupten Politikern abzuschütteln. Dabei ist der Reichtum an Böden und Bodenschätzen immens, das Land könnte reich sein, wenn nicht durch staatliche Eingriffe in die Wirtschaft eine hohe Inflation entstünde die direkt in den nächsten Zusammenbruch steuert.
Die Margarita habe ich aus ersten Anfängen entstehen sehen.  Es ist erstaunlich, wie durch die Energie eines Menschen ein blühender Wirtschaftsbetrieb entsteht, und vorher langsam der gleiche Betrieb  über Generationen abgewirtschaftet wurde. Unser Freund Hasso hat hier in den letzten 15 Jahren eine vorbildlichen  Hacienda  aufgebaut,  auch wenn die argentinischen Farmverwalter ihn sicherlich  oft zurückgeworfen haben. Es macht Freude zu sehen, wie die Felder stehen, die Rinderherden immer weiter wachsen,   und wir fahren   durch die Soja, Hirse  und Sonnenblumenfelder und freuen uns an dem Reichtum der Landschaft.
Black  Angus  in der Pampa

Hier hat eine Bremer Kaufmannsfamilie in den Anfängen von Argentinien ein kleines Imperium auf- gebaut, schon seit den argentinischen Eroberungskriegen in denen die Urbevölkerung  vertrieben wurde. Die beiden grossen Gutshäuser auf der Farm könnten auch in  Bremen  stehen, das eine Haus ganz aus Ziegelsteinen, das andere Haus ganz im klassizistischen Stil errichtet. Als Hasso  die  Farm übernahm war alles heruntergekommen und es ist eine Freude zu sehen,  wie er alles perfekt restauriert hat. Der Park wirkt durch den alten Baumbestand besonders stattlich, in Deutschland würden wir so etwas in Ostpreussen in der alten Zeit erwarten, denn die kleinteiligen Betriebe in Deutschland lassen nicht mehr diesen Aufwand zu, den in Argentinien 7.000 ha noch ermöglichen. Als Kurt auf der anderen Seite der Laguna Alsina noch seinen Betrieb bewirtschaftete konnten sich die beiden Nachbarn noch zum abendlichen Churrasco besuchen. Heute versammeln wir uns bei Hasso,  Platz ist genug da für uns 10  Jagdgäste,  fünf von uns aus dem Altbestand, der seit 20 Jahren nach Argentinien kommt, und  fünf  Freunde von Rasso,  der vielversprechende Nachwuchs, der uns langsam ablöst.   
Churrasco am Abend

Wir kommen  sehr gepflegt  in den Gästezimmern der Hacienda unter. Am Abend  findet immer ein Churrasco statt, bei dem die feinsten Stücke vom Rind, aber auch einmal ein Lamm gebraten werden. Besonders gut gelingt die Tira,   Rippenstücke, die  wenn sie zart sind zum Besten des Rindes gehören. Hasso hat diesmal einige besonders gute argentinische Weine ausgesucht, die sich angenehm abheben von dem San Huberto, den wir auf der Jagdfarm trinken.
Am  20.3. geht es dann los zur  Jagdfarm Los Vertientes,  in Carro Quemado,  der Name weist auf  ein Ereignis aus der Pionierzeit hin,  als hier ein Karren verbrannt ist.  Wir befinden uns in der Trockenpampa, ein ganzes Stück hinter Santa Rosa.  Hier ist nur extensive Viehzucht möglich, Die Landschaft ist leicht hügelig, mit  Büschen  wilden Gräsern und  den  leguminosen Hartholzbäumen, den  Caldén bedeckt.  Das Wetter ist am Tag noch warm und lässt uns noch den Sommer spüren. Nachts wird es aber empfindlich kalt, bis  minus  2°,  ideale Voraussetzungen  für die Brunft.  Wenn die Sonne untergeht erstrahlt über uns der unglaublich klare Himmes des Südens,  mit einem Sternenmeer, wie wir es in Europa in unseren erleuteten Landschaften kaum mehr kennen. Um uns brunften die Hirsche und wir freuen uns schon auf den Morgen,  wenn wir bei Dunkelheit hinausgehen, um uns an den Hirsch zu pirsche, vom Klang der Stimme geleitet, bevor er sich in seinem Tagesplatz zur Ruhe niederlegt. 
Ciervo con  Embras

Um  5.30 h  klingelt der Wecker von Kurt.   Schnell werden die Jagdsachen zusammengestellt. Draussen ist es noch finstere Nacht. In der Ferne röhren die Hirsche.   Ich habe wieder meinen Führer Javier, den ich auch vor 2 Jahren hatte. Damals habe ich gleich am ersten Abend einen stattlichen Hirsch geschossen, wie wir sie in Deutschland praktisch nie freibekommen.  Es ist empfindlich kalt und ich bedaure es, keine Handschuhe mitgenommen zu haben. Javier arbeitet auf der Farm und die Jagd ist für den passionierten  Jäger eine angenehme Abwechslung zur Farmarbeit.  Er kennt sich natürlich besonders gut auf der Farm aus, die  immerhin 16.000 ha gross ist, aber nur  Futter für etwa 1.000 Rinder bietet.  Die  Jagdfarm hat sich auf die Zucht von Hereford spezialisiert. Die Tiere sind in dem  trockenen Klima besonders stattlich und machen einen   guten Eindruck. Die  Farm lebt von dem Verkauf der Kälber, bestimmt ein sehr karges Geschäft, bei dem jedes Extraeinkommen, wie das der Jagd, willkommen ist.
Morgenröte in der Pampa

Mit  5  Camionetas fahren wir in die Dunkelheit.  Die Wagen verteilen sich über die Farm, jeder Jäger hat seinen eigenen Führer, der massgeblich für den Erfolg der Jagd verantwortlich ist.  Wo ich abgesetzt werde, noch in völliger Dunkelheit,  höre ich die Hirsche in der Ferne röhren. Wir, der Führer und ich,  schaffen uns in der Dunkelheit  langsam in die Landschaft, immer dem Klang der Hirsche folgend.  Dabei gilt es keine Geräusche zu machen, ein knackender Ast könnte den schlauen Embras verraten, dass sich der Mensch nähert.  Die frische Morgenbrise aus der richtigen  Richtung  hilft uns an  das Brunften heranzukommen.  Schliesslich sind wir von 3 Hirschen umgeben, die in nächster Nähe,  vielleicht 60 m entfernt, brunften.  Wir warten in einer Baumdeckung ab.  Dichter trauen wir uns nicht heran, weil wir ohne Deckung  schnell von den Embras entdeckt werden können und dann war alle Mühe umsonst.  Aber alles Warten hilft nichts,  die Hirsche  kommen nicht aus dem Dickicht .  Die Sonne geht auf, und die Aktivität der Hirsche lässt nach. Wir hören, wie sie sich langsam entfernen.  Wir pirschen der kräftigsten Stimme nach, die immer wieder Laut gibt und uns damit den Weg weist. Oft verhoffen wir, der Hirsch steht in einem Busch nur 30 m entfernt, wir hören ihn fegen, Staub steigt auf, er tut uns aber nicht den Gefallen, sich zu zeigen.  Das Gestrüpp ist sehr dicht   und schliesslich müssen wir aufgeben    und der Hirsch zieht ohne uns seine Bahn.
Warten auf den Hirsch

Ein wunderbares Jagderlebnis,  Jäger und Hirsch  haben die gleichen Chancen,  und diesmal hat der Hirsch gewonnen.  Javier mein Jagdführer hat nur dünne Latschen an,  ein ungenügender  Schutz gegen die Rosettas, kleine Kletten, die sich an alles heften. Auch die Ledergalloschen bieten nur   ungenügenden Schutz.   Javier bückt sich, um die Kletten abzuklauben, die beim Gehen äusserst lästig sind.  Ich hoffe, dass er sein Trinkgeld in ein besseres Schuhwerk anlegt und   das nächste Mal  etwas besser ausgerüstet ist.
Unsere Jagdgruppe beim Essen

Wir kehren zum Frühstück in die Farm zurück.  Inzwischen ist die Sonne stark genug um draussen zu  sitzen.  Jeder bekommt von unserer Köchin 3 Spiegeleier mit Speck,  dazu ein selbstgebackenes Brot und eine gute Marmelade.  Selbst der Kaffee mit warmer Milch ist von ausgezeichneter Qualität.  Die Milch wir jeden Morgen frisch gemolken, wie in der alten Zeit. Nach dem Frühstück zieht sich die ganze Manschaft in ihre Unterkünfte zurück, einige um zu duschen,  die meisten aber um die kurze Nacht etwas zu verlängern.
Rasso und seine Freunde nutzen die Zeit bis Mittag, um noch auf Antilopen zu gehen.  Der Ehemann von Victoria ist Spanier und hat ein Gatter angrenzend an die Farm.  Manchmal gelingt einer Antilope der Ausbruch aus dem Gatter. Aber ein typisches Tier ist das nicht für diese Gegend.  So war ihnen auch kein Erfolg gegönnt, was wir anderen uns schon gedacht haben. 
Um  17.30 h  versammeln wir uns wieder und ab geht es mit unseren Führern zur Abendpirsch. Javier will es besonders gut machen und wechselt oft das Revier, weil er von seinen Kollegen während des Tages Informationen gesammelt hat. Abends brunften die Hirsche nicht solange die Sonne draussen ist, aber sein gutes Gehör macht  auch jetzt noch typische Geräusche aus und wir machen mehrfach Hirsche hoch, die in ihrem Tageseinstand liegen, aber alle leider mit schwachen Köpfen und für diese habe ich nicht die Fahrt bis Argentinien unternommen.
Pampasgras in der Abenddämmerung

Abends nach der Pirsch treffen die Jäger  gegen 21 h  wieder im Camp ein. An einem Lagerfeuer wird ein  Bier genommen, es gibt das gute Quilmes, ein Ableger von Warstein. Die Jagderlebnisse werden ausgetauscht und kleine Leckereien aus der Küche stillen den ersten Hunger. Es gibt immer sehr gutes Fleisch und einen kräftigen Landwein, den San Huberto. Alle Jäger sind müde vom Tag, es wurde viel erlebt und viel geleistet.
Diese Pirsch in der weiten trockenen Landschaft stellt hohe Anforderungen an den Jäger. Jeden Tag laufen wir  mindestens 4 Stunden.  Das   Anpirschen muss absolut lautlos geschehen. Der eigentliche Schuss muss in dem Gestrüpp oft freihändig erfolgen, bei weiten Schüssen setzen die meisten einen Schiessstock ein.  Dann betragen die Entfernungen über 100m .    Am ersten Tag war der Jagderfolg nur eine Antilope. Am zweiten Tag fiel ein Hirsch, kein starkes Stück, aber für den Schützen ein schöner Erfolg.  Erst am dritten Tag fielen noch 5 Hirsche, so dass  wir auf insgesamt 7  Hirsche kamen, bei 10 Jägern.  Tatsächlich in letzter Minute stellte sich noch der Jagderfolg ein, nachdem  wir schon langsam zweifelten noch zum Schuss zu kommen. Ein wirklich starker Kopf wie in den  Vorjahren war nicht dabei.  Trotzdem waren alle zufrieden, vor allem die Jagderlebnisse waren besonders, wo hat man so eine ursprüngliche Pirsch auf den Hirsch.

Seitdem Victoria die Bewirtschaftung übernommen hat, ist auch die Unterbringung und Verpflegung  sehr verbessert. Bei  ihren Eltern hatte man gar nicht das Gefühl, dass sich jemand richtig kümmert. Jetzt stimmt auch die Küche, der Service und die Kleinigkeiten, die es uns ermöglichen, uns wohl zu fühlen. Als wir schliesslich am letzten Jagdmorgen  alle geschossenen Köpfe aufreihen und die letzten Fotos schiessen, sind alle Generationen zufrieden,  jeder ist zu seinem Jagdglück gekommen, die Schützen zu ihren Trophäen, die anderen zu wunderbaren Pirscherlebnissen.  Wir beschliessen, im nächsten Jahr wieder dabei zu sein, bei einer der schönsten Hirschjagden, die man sich wünschen kann. 
Abschiedsessen in der Pampa

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