Freitag, 19. Oktober 2012

An den Stränden von Pipa

                            Wechsel von Felsen und Sand und dahinter die bewaldete Küste

Wenn man von Natal  die BR 101 in Richtung Süden fährt, dann  kann man sich nicht mehr vorstellen, dass noch vor drei Jahren auf dieser wichtigen Verbindungsstrasse, die vom äussersten Norden bis in den Süden des Landes führt, nur zweispuriger Verkehr möglich war. Jetzt hat sich die Fahrzeit nach Praia de Pipa auf eine knappe Stunde verkürzt und die Strasse  ähnelt einer Autobahn.  Wir befinden uns im Nordosten von Brasilien, bis vor wenigen Jahren von Armut geprägt.  Wegen der armen sandigen Böden war Landwirtschaft nur eingeschränkt möglich und der Anbau bestand im wesentlichen aus Zuckerrohr und Kokosnussplantagen. Durch den Verfall des Zuckerpreises im  18. Jahrhunder fiel diese Landschaft in bittere Armut. Heute hat die Gegend einen enormen Aufschwung erfahren,  Zuckerrohr ist ein begehrtes Produkt für die Herstellung von   Biosprit  geworden. Die ganze Gegend ist landwirtschaftlich genutzt und es werden jährlich 2 bis 3  Zuckerrohrernten eingefahren.  Über Goianinha, einer schläfrigen Provinzstadt, die durch die neue Prosperität wieder zu Leben erwacht,  geht es durch  kleine Dörfer auf einer Nebenstrasse nach  Tibau do Sul und dann weiter nach Praia de Pipa. Ich wohne wieder in der Pousada Thalassa, die jedes Jahr schöner wird.
                                          Open Air Lounge in Pousada Thalassa

Bis vor wenigen Jahren war Praia de Pipa ein kleines Fischerdorf, mit wenigen hundert Einwohnern.  Dann kamen die  ersten Touristen, meistens noch Hippies und entdeckten die goldenen Strände um Pipa.  Oft waren dies Europäer,  Portugiesen, Spanier und Italiener, die sich hier wohlfühlten. Noch heute sind die altgewordenen Hippies mit dem Verkauf von selbstgefertigtem Schmuck beschäftigt.  Der Charakter des alten Fischerdorfes mit seinen armen Hütten und seinem Kopfsteinpflaster ist erhalten geblieben.  Der ganze Ort besteht praktisch nur aus  einer gepflasterten Hauptstrasse,  nur wohnen heute in den Häusern nicht mehr die Fischer, sondern ein Restaurant, Laden und Bar reiht sich aneinander.  Abends wacht diese  Hauptstrasse auf und  es findet  eine Völkerwanderung statt. Hauptsächlich junge Leute aus  aller Herren Länder feiern  die Nacht durch und enden in der einzigen  Diskothek, dem Calango.

                                          Praia do Amor

Für mich sind in Pipa die Strände  am Schönsten. Der unabhängige Führer Quatro Rodas zählt die Strände um Pipa zu den schönsten in Brasilien.  Um alles erforschen zu können, sollte man sich einen kleinen Mietwagen oder einen Motorroller mieten.  Den Hauptstrand von Pipa erreicht man direkt vom Zentrum.  Die Dorfvorsteher haben dort  einen kleinen Platz geschaffen, den es vorher nicht gab.  Dort führen die jugendlichen abends Tänze auf  und  treffen sich, weil das Taschengeld noch nicht reicht, um am Nachtleben teilzunehmen. Am Haupstrand reiht sich eine  Barraca an die andere.  Barracas sind die kleinen Strandrestaurants in Brasilien, in denen man Getränke und  Fisch bekommt.  Die Plastiktische und Stühle stehen mit ihren Schirmen meist bis ins Wasser. Die Brasilianer lieben es  ihr Cerveza  und Essen mit dem Füssen im Wasser einzunehmen.  Das vermittelt ihnen das echte Urlaubsgefühl.  Hingegen gehen sie nicht  so gerne ins Meer, vielleicht können viele nicht schwimmen, sondern verbringen nach ihrem Strandmorgen den ganzen Nachmittag im Pool ihrer Pousada.  Das Meer hat den Hauptstrand wieder einmal verändert. Im letzten Jahr war zwischen den Barracas und dem Strand eine Lagune entsstanden und die Kellner mussten durch diese flache Lagune waten, um das Essen  zu  ihren Gästen zu bringen. Dieses Jahr ist die Lagune verschwunden und der eigentliche Strand breiter geworden.  Schon auf dem Weg zum Strand wird man von zahlreichen Schleppern angesprochen, die ihre  Restaurants und  Schiffe empfehlen, mit denen die Feriengäste  eine Reise entlang der Küste unternehmen können.

                                          Barraca am Strand

Ich ziehe es vor dem Trubel des Haupstrandes zu  entweichen und wandere langsam durch den feinkörnigen Sand  in Richtung Süden.  Der Charme dieser Küste liegt  in  dem Wechsel von Sand und Felsen. Jetzt bei zurückweichendem Wasser,  die Gezeiten sind hier stark ausgeprägt,  kommen Felsen aus dem Wasser und bilden kleine Badebecken, in denen die Brasilianer mit ihren  Kindern sitzen und vergnügt planschen.  Hier an der Ostküste des Landes spielt sich das Badeleben am Vormittag bis ca 15 Uhr ab. Dann fangen die Schatten der steilen Felsenkuste  allmählich den Strand einzunehmen und die  Sonnensuchenden wandern ab in ihre jeweiligen Pousadas.  Ich gehe  vorbei an dem Kap, das man jetzt bei Ebbe umrunden kann, durch malerische Felsengruppen, zwischen denen immer der goldene Sand liegt und  komme an den Praia do Amor.  In der Karte steht hier auch der Name Praia dos Afogados,  der Strand der Ertrunkenen.  Dieser Name war wohl für den Tourismus nicht förderlich und die Stadtväter haben ihn dann in den Liebesstrand umgetauft. Der Strand ist ein reiner Sandstrand, ohne Felsen, hat eine ausgeprägte Brandung, weil es keine vorgelagerten Riffs gibt und es gibt auch Unterströmungen.  Wer es gewohnt ist, mit den Wellen und Strömungen zu schwimmen, geht kein grösseres Risiko ein.  Man sollte aber ein sicherer Schwimmer sein und die grossen Wellen untertauchen können.  Hier gibt es auch eine Barraca die Liegestühle verleiht,  und ein langer menschenleerer Strand mit Kokosnussbäumen gesäumt  lädt zum Spazierengehen ein.  Der Strand endet am Chapadao, einer steilen Felsenwand, die direkt ans Wasser reicht.  Von oben hat man einen wunderbaren Blick  über die Küste und Strände. In der Barraca esse ich einen ausgezeichneten Weissfisch und trinke einen Chope  Skol,  das  brasilianische Wort chope  kommt aus der deutschen Biertradition,  die Marke Skol aus dem skandinavischen – überall trifft man auf die Spuren der Einwanderer.

                                 Praia do Amor

Geht man den Strand weiter, so kommt man über den menschenleeren Praia das Minas bis zum nächsten Ort  Sibauma.   Hier soll im 17. Jahrhundert ein Sklavenschiff gestrandet sein. Die Überlebenden wurden nicht versklavt sondern gründeten ein Quilombo, einen Ort für befreite Sklaven.  Die Bewohner sollen noch direkt von dieser überlebenden Sklavenfracht abstammen.
Am nächsten Morgen möchte ich die Nordstrände von  Pipa erforschen. Oft bin ich über den Strand im Zentrum von Pipa bei Ebbe zum Praia do Corral  gegangen,  das geht allerdings nur, wenn die Ebbe Tiefstand hat und man über die Steine  am Kap klettern kann. Dafür belohnt dieser  Strand einen mit Einsamkeit, keine Liegestühle, nur der golden glänzende Sand  in den zurückweichenden Wellen und draussen die spielenden Delfine.

                                            Praia do Madeiro

Es ist aber Flut, und ich kann nicht zu Fuss gehen. Ich nehme meinen Mietwagen und fahre an den  Praia do Madeiro, den beliebtesten Badestrand von Pipa. Der Zugang zum Strand ist ein bisschen  beschwerlich, über eine Holztreppe geht es den bewaldeten Steilhang hinab.  Unten hat das Meer  wieder ein Stück mehr von  der vorgeschobenen Palmenküste weggefressen. Es sind weniger Barracas und Strandliegen als im letzten Jahr vorhanden.  Angeblich hat IBAMA,  die staatliche Naturschutzbehörde,  den Abriss von wilden Strandbauten verfügt. Auch die recht urige Strandhütte des Inhabers der Diskothek Joy auf Teneriffa ist verschwunden. Hier hatten wir in Hängematten im letzten Jahr noch eine guten Caipirinha getrunken und uns über die alten Zeiten in Teneriffa unterhalten.  Nur die Verleiher von Surfbrettern  sind die gleichen geblieben. Die  starken Passatwinde sorgen für einen schönen Wellengang,  ideal für Surfer. Neu sind   die zahlreichen Kitesurfer, die sich vom Wind über die Wellen tragen lassen. Die abgerissenen Strandbuden vermisst man nicht,  die Natur wird zurückgebaut.

Ich mache einen langen Strandspaziergang über den Praia do Madeiro bis zum Praia da  Cacimbinha. Hat man einmal die  Liegestühle an den Treppen verlassen, ist bald kein Spaziergänger mehr in Sicht. Der Strand  bietet sich in seiner ganzen Ursprünglichkeit an.  Umgestürzte Palmen, unterspültes Wurzelwerk,  alles was das Meer anspült,  kaum Plastikreste,  eine noch kaum berührte Natur zu der man nur über die wenigen Treppen gelangen kann, die an der Steilküste vorhanden sind.  Bis zur Punta de Pirambú  gelange ich nicht. Eine sehr schöne gepflegte Anlage am Hang, von einem Deutschen angelegt, in der man in clubähnlicher Atmosphäre den Tag auf Liegestühlen  am Pool  oder im Restaurant verbringen kann. Der Zugang zu der Anlage erfolgt über eine altmodische Holzseilbahn, die man skeptisch betrachtet, aber die einen sicher ans  Ziel bringt.
                                Fähre über die Lagoa Guarairas

Ich gehe den Strand zurück um rechtzeitig zum Sonnenuntergang in Tibaul do Sul zu sein. Tibaul do Sul ist die Prefeitura des Verwaltunsbezirkes für Pipa. Mit etwas weniger Tourismus zeigt Tibaul  noch mehr die originären  Strukturen eines kleinen Fischerortes  im Nordosten. Den Charme dieses Ortes macht die Lagoa Guarairas  aus. Eine riesige Wasserlandschaft, die sich an dieser Stelle durch einen schmalen Durchbruch tief in das Land hineinerstreckt. In der Lagune befindet sich der kleine Hafen  von Tibau, der nur bei Flut angesteuert werden kann.  Eine landestypische Fähre stellt die Verbindung zur anderen Seite her.  Auf der anderen Seite der Bucht erstreckt sich die unberührte Dünenlandschaft von Marembá.  Bei Ebbe kann man mit einem Strandbuggy oder Vierradantrieb übersetzen und am Strand  nach Buzios fahren.  Eine äusserst lohnenswerte Fahrt, die einen die Abenteuer einer Wüstenlandschaft erleben lässt.
Es ist schon spät und um 17.30 h geht die Sonne unter. Ich verlasse die Strandbuden von Tibau und fahre auf den kleinen Besucherparkplatz des Hotels Marinas, das direkt über der Lagoa  liegt.  Eine vorgelagerte kleine Holzplatform mit Creperie und Bar ist schon gut besetzt. Alles wartet auf den Sonnenuntergang. Bei einem Sundowner und klassischer Musik  schiebt sich langsam der Sonnenball in die Lagune.  Die Menschen hören auf zu sprechen, dieses immer wieder gewaltige Naturschauspiel lässt sie verstummen.  Nur  das Summen und Piepsen der Kameras ist noch zu hören. 

                                Sonnenuntergang über der Lagoa  Guarairas

Mittwoch, 10. Oktober 2012

Von Brasilia nach Marabá

Es ist immer ein langer Flug, wenn man sich in Frankfurt ins Flugzeug setzt und die 10 Stunden nach Recife durchfliegt. Diesmal ging es noch gleich weiter bis Brasilia, wo ich mich mit Markus, dem Freund von Andreas treffen wollte. Die erste Nacht ist immer mühsam. Wenn es 3 Uhr nachts ist, dann signalisiert das Körpersystem 8 h morgens, und ohne recht Schlaf gefunden zu haben springt man bereits in den neuen Tag. Wie das bei den Flugbegleitern und Piloten funktioniert ist mir nicht nachvollziehbar. Ich treffe mich mit Markus pünktlich morgens zum Frühstück im Melia und wir beschliessen noch etwas von der Stadt zu sehen. Markus ist zum ersten Mal dort. Man kann sich nicht der Vision entziehen die der Architekt Oskar Niemeyer und der damalige Präsident Joselino Kubitschek von ihrer künftigen Hauptstadt hatten. Ich kenne keine andere Stadt, in der so konsequent ein architektonisches Konzept durchgezogen wurde. Die Grosszügigkeit der Planung hat Avenidas geschaffen, die in ihrer Ausdehnung und Breite kaum vom Fussgänger überquert werden können. Markus kommentierte: eine Idealstadt für den Autofahrer.

Grosszügige Planung

Die Architektur für das Regierungsviertel ist aus einem Guss. Ob uns die Architektur heute noch zusagt ist eine andere Frage. Eindrucksvoll ist die Konsequenz, mit der das architektonische Konzept umgesetzt wurde. Die Unesco hat Brasilia zum Weltkulturerbe erklärt. Und auch in kommenden Jahren wird die Konsequenz der Leistung mit Sicherheit gewürdigt werden. Für mich steht fest, Brasilia ist eine der grosszügigsten Städte der Welt, und es ist nicht eine Stadt aus der Retorte geworden, inzwischen leben im Grosskreis der Stadt 3,5 Mio Menschen, die Stadt hat also auch nach Außen Atraktivität erhalten.


Die beiden Häuser des Congresses

Mit einem Taxi fahren wir vorbei an den beiden Kammern des Kongresses, in Form zweier sich ergänzender Halbschalen, an der Kathedrale, die erst im Innern ihre volle Wirkung entfaltet, am Präsidentenpalais, wo heute Dilma Rousseff als Präsidentin regiert. Die Präsidentin Dilma ist aus dem Widerstand gegen das Militärregime in die Politik gekommen und setzt als Nachfolgerin von Lula dessen erfolgreiche Wirtschafts-und Sozialpolitik fort.
Über die geschwungenen Brücken über den Stausee verlassen wir das Regierungsviertel und fahren durch grosszügige Wohngebiete von Politikern und Diplomaten. Alles ist parkähnlich angelegt, und die Lebenqualität hier ist nicht zu unterschätzen.


Brücke über den Stausee


Nur der Flughafen passt nicht in das Bild einer grosszügig geplanten Hauptstadt.  Der Flughafen platzt aus allen Nähten und unser Flug geht in einem Behelfsbau ab, der für eine neue erfolgreiche Nation  unwürdig ist. Ähnlich  chaotische Verhältnisse kenne ich nur aus Sao Paulo, wo der Flughafen noch mehr in die Jahre gekommen ist.  Der Flughafen in Brasilia ist ein Drehkreuz, von hier fliegen  die Verbindungsflüge in die verschiedensten Richtungen ab.  Unser Flug geht nach Maraba,  immerhin ein 2 Stunden Flug.  Für die Fussballweltmeisterschaft und für die Olympischen Spiele wird da noch einiges geschen müssen.
                                         Mündung des Itacaiuna  in den Tocantins und Stadt Maraba

Ganz anders der kleine Flughafen in Marabá.  Da freut man sich, dass noch alles klein und persönlich ist.   Markus hat zwar seine Probleme mit den schlecht ausgebildeten  Mitarbeitern gehabt, seine ohnehin begrenzte Freude,  über die USA  zu fliegen, wurde zusätzlich getrübt durch die Inkompetenz der TAM  Mitarbeiter, die keine internationalen Reisenden bedienen können.       Dabei ist Maraba Zentrum einer sich  in Brasilien schnell entwickelnden Wirtschaftszone.  Wenn es früher wesentlich von Viehzucht und  Goldfunden in der nahegelegenen  Serra Pelada bestimmt war, so ist heute die Nähe zu Carajas bestimmend.  In  Carajas werden von der  VALE   die bedeutendsten Erzfunde der Welt gefördert.  Im Umkreis von 150 km  gibt es 8 neue Hüttenbetriebe. Die  Erzvorkommen können für 150 Jahre den Erzbedarf der Welt decken.
                                                   Carajas,  Erzminen

Für mich, der ich seit  25 Jahren in die Region komme, hat sich wenig verändert. Der Flughafen ist gleich geblieben, die Stadt sieht nach wie vor wie im Wilden Westen aus. Und wir sitzen zum Essen noch in den gleichen Restaurants wie vor 25 Jahren. An dem gewaltigen Fluss Tocantins, der in Maraba sich mit dem Fluss Itacaiuna  vereinigt sitzen wir an der Flusspromenade und essen  einen köstlichen Weissfisch , den Tucunaré,  in einer Moqueca aus  Kokusnusswasser und  -milch. Markus der aus Tokio nun die feinsten  Genüsse der japanischen Fischküche verinnerlicht hat, ist von diesem einfachen brasilianischen Gericht begeistert, das mit  Pirao serviert wird. Ich selber gestehe, dass ich auch lange nicht mehr eine so gute Moqueca gegessen habe.  Ein kleiner dünner Junge tritt an unseren Tisch  um zu betteln. Früher hätten wir ihm von unserem Essen abgegeben, aber hier hilft der Familie  ein kleiner Geldbetrag mehr.


                                                       Moqueca mit Tucunaré

Noch ist der Tocantins  jetzt im Monat Oktober kurz vor der Regenzeit  auf Tiefstand.  Gewaltige  Sandbänke  ragen aus den Wassern. Auf den Sandbänken sind  kleine Hütten provisorisch errichtet, in dennen Essen und Getränke verkauft werden. Den Sommer verbringen die Stadtbewohner  auf den Sandbänken beim Baden und Fischen. Der Sommer hier oben im Amazonasgebiet ist identisch mit unserem Sommer in Europa.  Wir haben heisse Tage und  kühle Nächte. Im Süden von Brasilien ist es  hingegen Winterzeit, mit niedrigen Temperaturen, die allerdings in den Subtropen gemässigt ausfallen.
                                             Goldmine in der Serra Pelada (Sebastiao Salgado)

Vor 25  Jahren hatte die Stadt  kaum mehr als 100.000 Bewohner. Ich erinnere mich noch an die grossen  Lager der Garimpeiros, den Goldsuchern, die man aus der Serra Pelada vertrieben hatte und die aus Protest vor den Regierungsgebäuden lagerten, um eine Entschädigung zu erhalten, die man ihnen versprochen hatte.  Ob  ihnen das gelungen ist, entzieht sich meiner Kenntnis,  heute sind sie jedenfalls nicht mehr da und die durchgewühlte Serra versucht sich wieder zu erholen. Maraba lebt heute nicht mehr von  den Erträgen der Goldsucher, das sind vergangene Zeiten. Heute  hat es 240.000 Einwohner und ist für die ganze Gegend ein Wirtschaftszentrum mit den notwendigen Infrastruktureinrichtungen, wie Flugplatz, Rodoviaria, Flusshafen, Strassen  und vor allem  mit allen Einkaufsmöglichkeiten  für die umliegenden  Viehfarmen.  Von hier  aus gibt es auch eine neue Bahnverbindung nach Sao Luis, wo die Erztransporte verschifft werden.  Östlich von Maraba  nur wenige  Kilometer entfernt,  beginnt der riesige Stausee von Tucurui, eines der grössten  brasilianischen Wasserkraftwerke.

                                                             Tucurui Staudamm
Für den Süden  des Riesenstaates Pará  ist  Maraba die  Einkaufsmetropole.  Dieser riesige Staat, ist 3,5  mal so gross  wie die Bundesrepublik und wird von dem entfernten Belém  an der Amazonasmündung regiert.  Im Süden des Staates  um Maraba und Carajas macht sich mit seiner  starken Wirtschaftstruktur zunehmend  Unzufriedenheit breit, weil die Verwaltung nicht effizient von Belem aus arbeiten kann.  Schon in der Vergangenheit haben sich in Brasilien  Staaten  abgespalten um effizienter verwaltet zu werden.  Diese Tendenzen sind auch im Süden von Para zu erkennen.
Unser alter Freund Noe von Atzingen  ist  hier Leiter des Kulturzentrums.  Im  Kulturzentrum werden die  Reste der Indianerkultur gesammelt und  die Fauna und Flora des Landes  erforscht. Noe hat einer der grössten Sammlungen  von wilden Orchideen und in unserem Dorf am Fluss, in den Casas de Umberto,  sieht man an den Bäumen  überall die wilden Orchideen, die in der Zeit  von Noe als Präsident der Fundacion dort  gepflanzt wurden.
Leider reicht unsere Zeit nicht  für einen Besuch im Kulturzentrum, sondern wir müssen uns  auf die Transamazonica  machen um rechtzeitig  vor Dunkelheit die Farm zu erreichen. 

                        Karte der Transamazonica, unsere Fahrt von Maraba nach Palestina

Samstag, 30. Juni 2012

Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang


Ein Tag auf einer brasilianischen Fazenda
Es ist noch ganz dunkel um 5.30 h . Und doch krähen die Hähne, der Pfau gibt seinen durchdringenden Ruf von sich und fliegt von seiner Schlafstätte auf den Balken des Korrals herunter, die Hühner verlassen ihren Stall, wo sie sich vor Räubern über Nacht in Sicherheit gebracht haben. Unten in der Küche der Junggesellen gehen die Lichter an, das Frühstück wird bereitet, ein junger Helfer geht zu den Milchkühen, die in einiger Entfernung auf der Wiese ruhig wiederkäuen. Er holt unsere morgendliche Milch. Es liegen noch tiefe Wolken über den Bergen, noch jetzt im Juni haben wir Regen, zwar nur kurze Schauer und tagsüber Sonne bei 35°, aber morgens ist viel Feuchtigkeit in der Luft, auf Tischen und Stühlen liegt ein kräftiger Feuchtigkeitsfilm. Die Vaqueiros holen die Pferde und Mulos von der Wiese und treiben sie in den Korral, wo sie sich in Formation aufstellen, jeder sucht sich sein Pferd aus, dass er heute reiten wird. Für uns werden unsere bewährten Tiere bereit, die wir schon seit langem reiten.


                                                       Sede A
Ich sitze an dem Tisch vor dem Haus und sehe wie es langsam heller wird. Die Morgenröte färbt die Ränder der Wolken und auf den gegenüberliegenden Hängen werden die Palmenwipfel als erstes in die frühe Morgensonne getaucht. Ein weisser Schwarm von Garcas (Reiher) streicht über den See und lässt sich auf einem kahlen Baum nieder. Von weitem leuchtet der Baum, als ob er in voller Blütenpracht stehe. Jetzt beginnen die kleinen grünen Papageien ihre Streitgespräche. Die Natur hat sie nicht mit einer klangvollen Stimme ausgestattet und plötzlich stieben sie hoch, kreisen eine Weile und lassen sich auf einer Palme nieder.

                                                           Reiher zusammen mit Pferden

Die Nächte sind in diesen Junitagen kühl, oft nur 20°, die Tage warm, bis 35°. Im Juli beginnen die Sommerferien bei uns im Norden, die ganze Bevölkerung eilt an die Flussstrände und geniesst den Sommer, der im Süden Winter ist.
Über der Serra liegen noch tiefblaue Wolken, die unter den Sonnenstrahlen noch dunkler erscheinen. Schön ware es, wenn sich da noch einmal ein kräftiger Regen zusammenbrauen würde. Die Fazenda ist unglaublich grün und so gepflegt wie sie es noch nie war. Die Ruhe und der Frieden der über allem liegt färbt auch auf uns Menschen ab. Wenn sich die Einheimischen von den glamourösen Telenovelas beeinflusst nach den Freuden der Grossstadt sehnen, wissen sie nicht auf was sie verzichten.
                                                  Blick auf die Serra das Andorinhas

Ich denke an meinen Bruder Arnim, der dabeisein wollte und wegen seiner Krankheit nicht mitkommen konnte. Wieviel Freude hätte ihm das alles hier bereitet, er hängt inzwischen mit seinem Herzen an dieser Gegend.
Gerade sehe ich wie die wunderbaren Guzerá und Caracul Bullen unten auf der Weide durch die Morgensonne auf die Salzlecke zugehen. Die Bullen haben sich seit unserm letzten Besuch prächtig entwickelt und die mit Nelore eingekreuzten Kälber sind besonders kräftig.

                                                   Zuchtbulle  der Rasse Guzerá                                                

Inzwischen sind unsere Pferde gesattelt und warten geduldig auf uns, bereit für den morgendlichen Ausritt. Heute geht es über die Hügel zu der früheren Fazenda Nazaré. Die Eigentümerin Dona Maria Nazaré wohnte dort viele Jahre allein, schaffte es aber nicht mehr ihre Farm aufrechtzuerhalten, gegen die starke Fruchtbarkeit des Landes kam sie nicht mehr an, alles hatte sich in Busch verwandelt (juquira) die Rinder fanden kaum mehr Nahrung. Als sie das Land dann verkaufte zog sie sich in die kleine Stadt Xambioa zurück, wo sie ihren Lebensabend verbringt.
                                        Diego und Reino  in hohem Gras (Mombasa)


Das Leben auf einer Fazenda spielt sich zwischen Schlafen, Arbeit und Essen ab. Der Tag beginnt sehr früh für die vaqueiros. Spätestens ab 7 Uhr befindet sich alles in Bewegung. Die Pferde sind gesattelt, es geht hinaus in die Natur, die Rinder werden auf den Weiden kontrolliert. Rinder kurz vor dem Kalben werden abgesondert und auf spezielle Weiden in der Nähe der Korrals getrieben, wo sie bei Komplikationen besser betreut werden können. Dann bleiben die Kälber 8 Monate bei der Mutter bis die Zeit der Trennung kommt. Die Mutter hat dann bereits ein neues Kalb von etwa 5 Monaten im Bauch. Besonders eindrucksvoll ist es wenn die Rinder zu den Korrals getrieben werden, ein Vaqueiro reitet vorweg und bläst das „barrante“, ein traditionelles Horn, diesem Klang folgen die Kühe und Kälber willig. Zwei weitere Vaqueiros reiten hinterher. Eine gewaltige vacada von Kühen mit Kälbern zieht zum nächstgelegenen Korral

                                        Herde Nelore auf Fazenda B


Die eigentliche Arbeit des Vaqueiros erfolgt im Korral. Hier wird das Tier registriert, gebrannt, getrennt, geimpft vom Tierarzt untersucht. Hier erfolgt auch die Besamung. Aber die übrige Zeit verbringen die Rinder auf den Weiden, ihre Nahrung besteht nur aus Gras und Salz, das mit Mineralstoffen angereichert ist. Ökologischer geht es nicht. Keine Zusatzstoffe, kein Antibiotikum, keine Anabolika. Ein Rind geht durch einen Lebenszyklus von 12 Geburten und ein Besuch in der Maternidad , der Kinderstube der Fazenda, gehört zu den schönsten Erlebnissen auf einer Farm. Während seiner ganzen Lebenszeit lebt das Rind in dieser idealen Landschaft, saftige Weiden, schattenspendende Bäume Bäche, Flüsse und kleine Stauseen, die die Landschaft durchziehen. Wenn ein Rind so wie wir empfinden könnte, würde es sagen: ein lebenswertes Leben.
                                          Grosse Represa auf Faz B


Es ist Abend auf der Farm geworden. Die Vaqueiros sind von den Weiden zurück, die Pferde und Mulos sind abgespritzt und weiden gelassen auf den grossen Koppeln vor dem Farmsitz. In der Mannschaftsküche wird der Hunger gestillt. Über der Serra senkt sich langsam die Sonne, schon um 6 Uhr wird es dunkel. Die Wolken verfärben sich im Abendschein, Glutrot leuchtet der Himmel über der Serra. Hier war es, als ab 1968 junge Studenten gegen die Militarregierung revoltierten. Das Militär ging mit grosser Brutalität gegen die jungen Leute vor, die undurchdringlichen Wälder, die damals alles bedeckte und die Höhlen der Serra boten den jungen Studenten geeignete Verstecke. Gerade in der letzten Zeit wird die Erinnerung an diese Revolte aufgearbeitet. Die damals verantwortlichen werden spät zur Verantwortung gezogen. Eines der damaligen Opfer ist die heutige Präsidentin des Landes, die wohl alles durchlitten hat, was ein Revolutionär in den Händen des Militärapparates über sich ergehen lassen musste und die nicht vergessen hat.


               Sonnenuntergang über der Sierra

Da wo sich das Rot über der Serra färbt, waren die Verstecke der Revolutionäre und die Ruhe und der Frieden der sich über das Land legt erinnert nicht mehr an die blutigen Kämpfe die hier stattgefunden haben. Von Ferne höre ich den Gesang der Brüllaffen, die sich vom Tag verabschieden, in den Häusern der Vaqueiros gehen die Lichter an. Überall wird gekocht und gegessen und bald breitet sich die Nacht über den Urwald und die Serra, die Nachtjäger machen sich auf den Weg nach Beute. Und über dem Fluss jagen die Fledermäuse.


                                    Gewitterstimmung über dem Rio Araguaia




Johannisfeuer am Rio Araguaia

Schon am frühen Morgen herrscht hektische Betriebsamkeit. Wir wollen das Wochenende am Rio Araguia in den Flusshäusern verbringen. Die Häuser, angrenzend an den kleinen Ort Sta Cruz, wurden 1996 von Hubertus Dönhoff errichtet, im Stil der ersten Siedler, die sich wiederum die Bauweise der Indianer angeeignet hatten. Die Häuser haben niedrige Lehmwände und sind aus dem Holz des dahinterliegenden Waldes errichtet, eingedeckt mit Palmwedeln.

             Casas de Umberto in Santa Cruz


Alles ist offen, damit der Wind durch die Häuser streichen kann und über den Häusern hohe schattenspendende Bäume, vor allem zwei wunderbare Ipé, die in Kürze gelb blühen werden. Da alles offen ist wohnen wir auch dort wie die Ureinwohner in Hängematten, wenn wir uns abends zum Schlafenlegen ist es sicher ein ähnliches Gefühl, wie es die Flussindianer hatten, die noch vor 100 Jahren hier lebten. Der Fluss ist Ende Juni schon stark gefallen und gibt die breiten Sandbänke frei, die zu den schönsten in diesem Flussabschnitt gehören. In Kürze werden schon für Juli und August auf den Sandbänken kleine schattenspendende Hütten errichtet, in denen die Bevölkerung ihren Sommer am Fluss verbringt. Wenn der Fluss wieder steigt, reisst das Wasser die provisorischen Konstruktionen ab und die Strände versetzen sich wieder in ihren Urzustand zurück.

             Weisse Sandstrände am Rio Araguia


Ich sitze auf einer Holzbank vor den Häusern, vor mir ein Tisch mit einer grossen steinernen Platte, die von den Felsen stammt die die „Cachoeira de Sta Isabel“ bilden. Der Fluss ist hier im unteren Lauf angelangt, etwa 80 km bis er sich in den Rio Tocantins ergiesst. 2600 km hat das Wasser hinter sich, von den Quellgebieten die sich aus den Sumpfebenen des Pantanal ergiessen. Die beiden Flüsse Araguaia und Tocantins bilden den südlichen Abschluss des Feuchtgebietes des Amazonas, gewaltige Flusssysteme mit einer Ausdehnung, wie wir Europäer sie nicht kennen. Der Araguaia bildet in der Mitte seines Laufes eine Flussinsel, Ilha do Bananal, die grösste Flussinsel des Landes. Das Wasser des Flusses ist dunkelgrün, die Sedimente der Regenzeit die ihm einen schmutzigen Farbton verleihen, bleiben allmählich aus. In wenigen Jahren wird hier am Unterlauf bei Sta Isabel ein für die Region bedeutendes Kraftwerk errichtet. Obwohl mit neuer Technologie ausgestattet und der Impact auf die Lanschaft 90 % niedriger liegt als bei Kraftwerken aus den 80er Jahren, ist doch eine Vielzahl von wunderbaren Naturmonumenten betroffen, die wir noch geniessen können.

                Steinzeichnungen auf der Ilha dos Martirios


Die etwa 3000 Steinzeichnungen auf der Ilha dos Martirios werden überflutet. Das Dorf Sta Cruz, ein Relikt aus der ersten Besiedlungsepoche verschwindet. Die herrlichen Sandstrände vor den Casas de Umberto werden in den Fluten versinken. Der Pegel des Araguaia zwischen Sommer und Regenzeit verändert sich um bis zu 12 m. Durch den neuen Damm mit einer Höhe von 27 m wird das Wasser ständig auf ca 20 m über Niedrigstand aufgestaut. Das bedeutet, dass eine Vielzahl uns liebgewordener Flecken und Felsformationen im Wasser verschwinden werden. Auch die Casas de Umberto werden wohl an einer höhergelegenen Stelle neu gebaut werden müssen.


              Alles schmückt sich zum Johannisfeuer


Inzwischen sind alle Besucher aus der Fazenda eingetroffen. Reinaldo hat seine Frau mit Baby mitgebracht, ein reizendes Mädchen, 4 Monate alt, mit den japanischen Gesichtszügen des Vaters. Die Zwillingsschwester der Ehefrau ist auch dabei, beide 24 Jahre alt, bei Diego kann ich aber kein Interesse feststellen, obwohl Alice ein hübsches und intelligentes Mädchen ist, das Geschichte studiert. Der Wächter der Häuser, Sr. Hernandez, mit seiner jungen Frau und zwei kleine Kindern hat die Anlage wunderbar in Ordnung gebracht. So schön war der Garten noch nie. Wir besprechen einige Gartendetails und ich bin sicher, dass beim nächsten Mal der Garten noch perfekter ist. Besonders schön ist der Gemüsegarten, der ganz frischen Salat hat, am Maniokfeld arbeitet er noch, aber das nächste Mal holen wir uns wieder frischen Maniok, aus der Erde, ein Geschenk der Indianer an uns und eine wirkliche Delikatesse, wenn die Stücke frisch fritiert aus der Pfanne kommen, mit etwas Salz serviert.

                     Salatgarten hinter dem Haus



Hinter dem Küchenhaus brennt schon seit geraumer Zeit der Grill. Das Feuer ist jetzt soweit heruntergebrannt, dass die ersten Fleischstücke auf den Rost kommen. Gildo ist der Grillmeister und die vielen Jahre Praxis haben aus ihm einen wirklichen Experten gemacht. Den ganzen Tag wird neues Fleisch aufgelegt und uns auf den Tisch gebracht, dazu wird viel Bier aus der Dose getrunken.
Gestern hat es kräftig geregnet, mehr als 2 cm, für Ende Juni erstaunlich, aber für die Farm ein Segen. Heute morgen hing noch schwer die Feuchtigkeit in der Luft. Aber jetzt am Mittag unten am Fluss bricht sich die Sonne Bahn und in Kürze geht alles über die Sandbänke zum Baden. Das Wasser ist herrlich warm und sauber. 500 m flussabwärts stehen die Frauen den ganzen Tag im Wasser und waschen ihre Wäsche, aus der angeregten Unterhaltung untereinander kann man annehmen, dass die letzten Dorfneuigkeiten ausgetauscht werden. Vorsichtig gehen wir ins Wasser, die Gefahr hier sind die Rayas, Flussrochen, die im Sand liegen. Tritt man versehentlich auf sie, erhält man einen unangenehmen Stich mit dem Schwanz, der im Krankenhaus behandelt werden muss. Piranhas sind reichlich vorhanden, aber stellen keine Gefahr für den Menschen dar, vielmehr hängen sie oft an der Angel und bilden die Grundlage für eine gute Fischsuppe.

                 Frischer Fisch aus dem Fluss


Mit meinem Freund Dieter Joswig haben wir manchen Abend beim Angeln verbracht und wirklich gute Fische für die Küche gefangen. Der schönste Fisch ist der Tucunaré, der ein grosses Auge auf der Schwanzflosse und ein wunderbar schmeckendes weisses Fleisch hat, wenn er in Bananenblättern auf heissen Steinen gegrillt wird. Und da plötzlich ganz dicht vor uns eine Bewegung im Wasser, ist es ein Jacaré, der grosse Flussaligator, nein, jetzt ist die Rückenflosse sichtbar, ein Boto, ein Flussdelphin, der sehr selten geworden ist und nur in sauberen Gewässern überlebt, hier sogar ein Pärchen, das neugierig durch unseren Lärm angelockt wurde.




                   Die Einschiffung


Am Flussstrand schichten die jungen Leute einen grossen Holzstoss auf. Es ist Dia de Sao Joao, Johannistag. Schon am frühen Abend bei Sonnenuntergang herrscht grosse Aufregung unter den jungen Mädchen. Marcia hat Schminkzeug mitgebracht und erst werden alle Kinder geschminkt und dann kommen die Erwachsenen an die Reihe. Die Mädchen erhalten rote Backen und Sommersprossen, bestimmt zum ersten Mal auch rote Lippen und die Männer grosse Schnurrbärte. Die Mütter haben den Mädchen hübsche Frisuren gemacht und sich selbst auch herausgeputzt selbst unser 4 Monate altes Baby Celena hat Sommersprossen im Gesicht. Zé da Guia sieht wie ein echter Gangaceiro aus, ist aber der liebste von allen, ein Krauskopf wie bei Tom Sawyer oder wie direkt aus dem Quilombo.


                 Unsere geschmückte Mannschaft


Jetzt setzen sich alle an die Tische und schreiben ihre Wünsche auf Papier, das wird dann sorgfältig gefaltet und später im Johannisfeuer verbrannt. Inzwischen ist die Nacht über dem Fluss angebrochen. Sr. Hernandez hat das Feuer angemacht und bald lodert der Schein bis zu unseren Strohhütten hoch. Wir versammeln uns um das Feuer und alle stimmen ein Lied an, das Sao Joao gewidmet ist. Marcia betet dann für alle und auch Xangó der Welterschaffer und die Flussgöttin werden nicht vergessen. Alle übergeben ihre Wünsche dem Feuer und jetzt sollten die jungen Leute, vor allem die Liebespaare über das Feuer springen. Unsere tüchtigen Männer haben aber den Stoss so hoch geschichtet, dass sich keiner traut. Sie erklären kleinlaut das wollten sie erst um Mitternacht machen, wenn der Stoss herabgebrannt ist.



                 Das Johannisfeuer am Strand


Die Nacht verbringen wir in unseren Hängematten. Ich schlafe immer besonders gut , wenn ich draussen auf der Terrasse mein Netz aufspanne. Ich höre nur die Geräusche der Nacht aus dem angrenzenden Urwald und das leise Rauschen des Rio Araguaia. Es hat leicht angefangen zu regnen und die Mücken atackieren noch einmal, obwohl es gar nicht ihre Zeit ist. Etwas Mückenspray und dann herrscht Ruhe.
Zum Frühstück am nächsten Morgen wird schon um 7 Uhr frittierter Maniok und Farofa von gestern gegessen. Zé löffelt an einem grossen Reisteller mit Bohnen. Wir Europäer begnügen uns mit etwas Obst und gutem brasilianischem Kaffee.

          Die Kinder des caseiro


Dann geht es auf die Insel dos Martirios und wir schauen uns die Steinzeichnungen noch einmal an, die bald überflutet sein werden. Weiter geht es mit dem Boot zur Terra de Felix. Dort wächst in der Regenzeit die Weide nach und sobald der Fluss fällt treiben die Vaqueiros von der Farm 40 Rinder für die Sommermast auf diesen schönen Fleck Erde. Aber was dieses Stück Land besonders attraktiv macht, ist nicht die Lage am Fluss, sondern hinten am Ende des Baches, etwa eine Stunde Fussmarsch entfernt, stürzt von der Serra ein Wasserfall herab und bildet ein natürliches Becken, in dem wir schwimmen gehen.


              Wasserfall  am Fuss der Serra

Zé Viera , den ich nun seit 1988 kenne, haben wir dieses Wochenende nicht gesehen, er hat Grippe und von uns mit Asperin versorgt, hat er sich in sein Haus in Sta Cruz zurückgezogen. Sein Haus hat er vorm kurzem in eine Pousada umgebaut und vermietet es an zahlende Gäste, die von dort in die Serra Andorinhas touren. Bis vor kurzem war der Ort nur über das Wasser erreichbar. Jetzt gibt es aber eine schlechte Sandstrasse.
Ich sitze wieder auf meinem Lieblingsplatz an dem Steintisch mit dem wunderbaren Blick über die Flusslandschaft. Diego kommt und stellt sich neben mich. Überraschend sagt er:
Dies ist einer der schönsten Flecken dieser Erde. Das Schicksal hat mich privelegiert, mit einer solchen Schönheit und einem solchen Frieden zu leben und den Araguaia zu sehen, die gewaltigen Wassermassen, die seit Millionen Jahren ihr Bett durch die Felsformationen der Serra getrieben haben.
Ich kann ihm nur beipflichten.



           Der Blick vom Steintisch vor den Hütten

Montag, 26. März 2012

Barroco na Bahia, eine weltweit einzigartige Pousada

Gerade habe ich mich von Pater Hans am Flughafen von Salvador verabschiedet. In die Pousada Barroco na Bahia komme ich nun 10 Jahre. Pater Hans ist vom Bistum Mainz als Domkapellmeister des Primas von Brasilien nach Salvador entsandt worden. Auch die Orgel in der Kathedrale mit 1600 Pfeifen stammt aus Deutschland, weitgehend aus Spenden finanziert. Heute am Sonntag habe ich um 11 Uhr einem Orgelkonzert zugehört. Gespielt wurden Werke von Couperin, Bach, Cesar Franck, Gigout und Boellmann. Es waren vielleicht 15 Menschen zum Konzert gekommen, kaum Brasilianer. Ein so gutes Orgelspiel hört man selten in Deutschland, eine solche Qualität von Musik hier in Brasilien anzutreffen ist überraschend und wunderbar, wir Europäer lieben diese Musik, hier in Bahia stösst sie auf kaum Interesse. Welche Verschwendung von Resourcen und Begabung.

                  Innenhof  der Pousada Barroco na Bahia

- Während des Konzertes habe ich ausgiebig Gelegenheit die prächtige Architektur der früheren Jesuitenkirche zu bewundern. Jeder Stein wurde aus Portugal importiert und vor Ort nach einem Plan zusammengefügt. Die Architektur ist streng, fast klassizistisch. Gestern habe ich mit dem Pater eine Privatführung durch die Kathedrale gemacht. Der Pater ist ein Kunstkenner und hat seine eigenen Entdeckungen gemacht. Hinter zwei Renaissancealtären weist er mich auf Bänder hin, in denen typische brasilianische Fruchtmotive eingearbeitet wurden. Er hält diese Teile, die vor Ort hergestellt wurden, für Indianerwerke. Alle Barockaltäre sind aus wertvollen brasilianischen Hölzern gearbeitet, bei den Trägerfiguren der Säulen scheinen Schnitzer von Galionsfiguren tätig gewesen zu sein, der Pater weist auf die unnatürliche Haltung hin, ganz anders als die Säulenträger in Italien. Der Hochaltar ist verhüllt, nicht weil es Fastenzeit ist, sondern er soll renoviert werden. Wie überhaupt ein grosser Teil dieser wunderbaren lusitanischen Werke der Renovierung bedarf. Hierfür stehen aber kaum Mittel zur Verfügung. So wie es kaum Interesse für klassische Musik gibt, so ist auch das Interesse der modernen Brasilianer für ihre historische Kultur gleich null.


                                              Die Kathedrale, die alte Jesuitenkirche

Die Kirche als Kulturträger hat ihre Bedeutung verloren, das Bildungswesen des Staates ist nicht an deren Stelle getreten. Das Interesse des modernen Brasilianers richtet sich auf Sport, Telenovela und MPB (musica popular brasileira). Ob es in Zukunft ein Wiedererwachen Brasiliens für seine kulturellen Werte gibt bleibt offen. - Inzwischen endet das Konzert in der Kathedrale mit einem gewaltigen Schlusswerk der „Suite Gothique“ von León Boellmann. Der Pater hat bei den hohen Temperaturen Schwerstarbeit geleistet.

   Pater Hans Böhnisch  mit unserer Gruppe im Reconcavo


Wir treffen uns vor dem Hauptportal der Kathedrale. Pater Hans hat schwer gearbeitet und der Hunger plagt ihn. Wir gehen in ein Restaurant „ao kilo“ und stillen seinen Hunger. Dann geht es zurück zur Pousada. Ich frage mich, wie so ein begabter Mensch an einen Ort gelangt ist, der für seine Begabungen keinen Sinn entwickelt. In den letzten Jahren hat der Pater jedes Jahr mit Spendenmitteln eine Opernproduktion wie“ Entführung aus dem Serail“ „Hänsel und Gretel“ u.a.m. mit deutschen und brasilianischen Künstlern ermöglicht. Auch hierfür war das lokale Interesse einer Stadt von der Grösse Berlins gering. Um diese Tätigkeiten zu finanzieren, hat er in kirchlichen und privaten Gebäuden in einem alten Viertel von Salvador eine Pousada eröffnet.

              Innenhof der Pousada mit Mangobaum


Das Viertel mit dem Namen Saude lag vor der Stadt, dort erholte man sich von der Enge der Stadtmauern. Im 18. Jahrhundert zogen dorthin viele jüdische Familien. In dem Haus einer solchen Familie, das vom Pater komplett renoviert wurde, befindet sich der Zentralbau der Pousada. Ein altes ritueles Bad kann noch im Hof besichtigt werden. Heute ist dieses Viertel von den wohlhabenden Familien verlassen. Um die Stadt haben sich neue Viertel mit Hochhäusern gebildet. Der wohlhabende Brasilianer lebt in solchen Gebäuden. In der alten prächtigen Stadt Salvador lebt heute die Unter-und Mittelschicht. Einen Vorteil hatte diese Entwicklung, man hat das Alte nicht wie in China dem Neuen geopfert, sondern es sich selbst überlassen. Vielleicht kommt der Moment der Rückbesinnung und der Renovierung des alten Stadtbildes. Anstrengungen zur Sanierung sind nur in der Altstadt von Salvador rund um das Pelourinho zu beobachten und an einigen Stellen wie im Viertel Saude wo der Pater in seiner Strasse mehrere Häuser renoviert hat.

               Barroco na Bahia im Bairro  Saude


Salvador ist „Patrimonio de Mundo,“ nirgendwo in Lateinamerika findet man eine solche Ansammlung von bedeutenden Kulturdenkmälern. Vielleicht ist das Werk von Padre Hans, wie er liebevoll von seinen Nachbarn genannt wird, nur ein Tropfen auf den heissen Stein. Aber jede Anstrengung ist beispielstiftend und in seiner Strasse sind bereits weitere Häuser renoviert worden.


            Unser gemeinsames Projekt bei der Renovierung


Bei einer klassischen Brasilientour mit den Iguacufällen, Rio de Janeiro, Bahia, Manaus und Pantanal ist Bahia der kulturelle Höhepunkt. Eine Pousada mitten in dem typischen Viertel Saude bietet den idealen Ausgangspunkt für eine Stadbesichtigung. Der normale Tourist beschränkt sich auf da Pelourinho und zwei Kirchen. Wie schön aber ist ein Ausflug zur Wahlfahrtskirche von Bonfim oder in das Viertel Ribeira. Ich fahre mit dem Pater an der Uferstrasse des alten Erholungsviertels Ribeira entlang. Vorbei an der Sommerresidenz des Erzbischofs an der Spitze der Halbinsel. Früher lag diese weit vor der Stadt. Seine Eminenz wusste wo es schön war. An der Uferstrasse promenieren die Bahianer, ganz anders als in der Innenstadt ist hier alles ruhig und sicher, in der Mitte der Strasse die gedeckten Zelte und am Rand zum Meer die Tische im Schatten der Bäume.


                                                      Wallfahrtskirche Bonfim

Es ist später Nachmittag. Wir nehmen uns direkt einen Tisch am Wasser und sehen die Sonne langsam über Itaparica untergehen. In Ibiza würden sich vor dem Café del Mar Tausende drängen, hier ist das ein ganz alltäglicher Vorgang aber von grosser Ruhe und Schönheit. Kein Tourist ausser uns ist in Sicht und die Bahianer nehmen uns in ihrer natürlichen Freundlichkeit kaum wahr. Am Abend noch einmal eine wunderbare Terrasse gegenüber dem Hotel Carmo in einem kleinen Restaurant. Ein Guitarrenspieler spielt ohne Verstärker und nur der Auftritt von drei Schauspielerinnen, die wohl den Kulturanspruch des Inhabers vertreten, halten uns in unserem Essensgenuss auf. Wie es der Zufall will wird an den Nebentisch ein junges Paar aus der Pousada gesetzt, mit denen ich mich am Morgen noch unterhalten hatte. Bei hunderten von Lokalen haben wir das gleiche ausgesucht. Wie üblich ist der gute Fisch zu lange gebraten, aber mit solchen Unzulänglichkeiten lernt man in Brasilien zu leben.

                                                  Stadtviertel Carmo

Die Freundlichkeit der Menschen hebt viele Mängel auf, man lernt mit den Jahren , dass nicht alles auf Effizienz ausgerichtet sein muss. Ich freue mich immer auf meinen Besuch in Salvador, auf mein freundliches Dachapartment mit der grossen Terrasse, auf meinen begabten Freund, Pater Hans, auf den traditionellen Frühstücksraum in der Pousada mit den zahlreichen Antiquitäten, auf die guten Marmeladen, selbst zubereitet vom Pater und auf die einmalige Musikkultur in dieser Pousada, einmalig in Brasilien, vielleicht sogar einmalig in der Welt.


           Refektorium in der Pousada

Freitag, 23. März 2012

Die Geister der Pousada Thalassa


               Eingang zur Pousada bei Nacht



Gestern erzählte uns der Rezeptionist, ein Gast hätte bei einer anderen Pousada eine Warnung erhalten, man dürfe nicht zur Pousada Thalassa gehen, die Frau die sie betreibe sei mit dem Teufel im Bunde. Die Pousada sei die einzige in Pipa, die immer voll gebucht sei. Das ginge nicht mit rechten Dingen zu. Natürlich kann das Konkurrenzneid der anderen gewesen sein. Eine andere Erkiärung ist die grosse Wächterfigur am Eingang der Pousada, mit einer Gabel in der Hand. Eine Orixa, mit dem Namen Exu, die den Eingang bewacht. Ein kleines Schälchen mit Gaben vor der Orixa stimmt diese versöhnlich und kein Unbefugter darf die Pousada betreten, die Orixa bewacht den Eingang und den Ausgang des Hauses und des Lebens. Sie ist die Mittlerin zwischen dem Diesseits und dem Jenseits. Orixas sind die afrikanischen Gottheiten, die von den Sklaven in die brasilianische Kultur integriert wurden. Die ganze Pousada wurde künstlerisch von dem Ibiza Künstler Paulo Viheira gestaltet, der in Brasilia geboren wurde. Schon vor dem Tor grüssen 3 Meter hohe Figuren aus Holz und Stahl, die an Miró erinnern. Sehr eindrucksvolle Zeichen, ähnlich den Totems der Indianer und auch afrikanische Elemente sind integriert

             Eingangswächter Exú


Hat man den Wächter des Tores Exú überwunden tritt man in einen üppigen tropischen Garten. Überall sind die Skulpturen von Paulo im Grün zu sehen.
Wir kommen in die Frühstückshalle, Fenster sind hier nicht nötig, eine gedeckte Halle mit überlebensgrossen Bildern der afrikanischen Gottheiten. Ähnlich wie bei unseren Sternzeichen ist nach dem Geburtstag eine bestimmte Gottheit, mit der ihr eigenen Eigenschaften für den Lebensweg des Menschen bestimmend, der im Einfluss der Gottheit geboren wurde. Für mich ist Oxum zuständig, die Gottheit des Wohlstands, des Wassers und der Flüsse. Marcia bringt Oxum häufig gelbe Blumen, und legt sie vor sein Bild, für Oxúm gilt die Farbe des Goldes, und bisher hat Oxum gnädig seine Hand über die Pousada gehalten. Am Anfang als noch Platz in der Pousada war habe ich in den Masterapartments gewohnt. Das eine Apartment ist Ogum gewidmet, dem Gott des Krieges aber auch des Schutzes vor den bosen Mächten. Das andere Apartment steht unter dem Schutz von Oxúm. Beherrscht werden die Zimmer von grossen Bildnissen der Gottheiten. Böse Zungen behaupten in das Apartment von Ogúm legt die Rezeption streitsüchtige Ehepaare, zu Oxúm kommen die nett aussehenden. Wer einen Eindruck von der Kunst haben möchte sollte einen virtuellen Rundgang machen unter www.pousadathalassa.com.br

                  Hochzeitssuite


Wer noch nicht ein brasilianisches Frühstück zu sich genommen hat, wird es in seine ganzen Vielfalt in der Pousada geniessen können. Die schönsten tropischen Früchte werden von Stenio vom Markt geholt. Frühaufsteher können Stenio, den Geschäftsführer, und sich von dem ungeheuer reichhaltigen Angebot der brasilianischen Bauern überzeugen. Allerdings ist ein frisch gepresster Zuckerrohrsaft das letzte Mal Victor zum Verhängnis geworden, er konnte mehrere Tage nicht das brasilianische Essen geniessen. Sonst sind Fruchtsäfte in einer solchen Vielzahl frisch oder als gefrorene Masse im Angebot, dass die Wahl schwer fällt. Die meisten Früchte sind uns ohnehin unbekannt. Zurück zu unserem Frühstücksbuffet, speziell für Brasilianer gibt es natürlich warme Gerichte mit Mais, Manniok und Fleisch . Es gibt eine Vielzahl von Fleisch- und Fischkuchen und daneben natürlich auch susse Gebäcke und Torten.

            Brasilianisches Frühstücksbuffet in der Pousada


Viele Gäste schlagen sich unbeherrscht voll und es ist eine Mär, wenn man an schlanke schöne Brasilianerinnen denkt, die meisten sind übermässig füllig. Vielleicht ist das wie bei uns eine Fresswelle wie nach dem Krieg, nachdem Brasilien sich innerhalb der letzten 20 Jahr von einem Entwicklungsland mit Unterernährung in ein prosperierendes BRIC- land entwickelt hat. Nach dem Frühstück geht es an den Strand, von der Pousada leicht zu Fuss zu erreichen. Der Ort selber in der Frühe wirkt noch verschlafen und erinnert an die ersten Jahre der Entdeckung von Ibiza. Die Läden machen erst gegen Mittag auf.


              Praia do Madeiro in Pipa

Am Strand sammeln sich langsam die Nachteulen an, eine lange Disconacht im Calangos hinter sich. Das Meer ist stark zurückgegangen. Hinter Felsriffen bilden sich Pools, in die sich Strandbesucher legen. Die Wassertemperatur beträgt mindestens 28°. Es weht ein starker Ostwind und draussen tummeln sich Surfer und Kites in den mittelhohen Wellen. Der eigentliche Zentralstrand von Pipa ist nicht so interessant wie die anschliessenden Strände nach Süden hin, Praia de Amor mit herrlichem Sandstrand und echten Surfwellen und nach Norden der Praia do Madeiro mit seinen Surfern und Delfinen. Die Strände gelten hier als eine der schönsten von Brasilien. Die starken Ostwinde ermöglichen richtig gutes Surfen. Obwohl Pipa Super-In ist, sind die Strände leer, ab und zu eine Strandbude, wo man die hiesigen wilden kleinen Langusten geniessen kann, zu recht zivilen Preisen. Beeindruckend die Steilküste hinter dem Strand, die erst einmal durchstiegen werden muss, wenn man das Meer erreichen will. Nachmittag steht die Sonne im Westen und der Schatten der Steilküste macht es für Sonnenanbeter uninteressant am Strand zu bleiben. Alles wandert in seine Pousadas um sich mit einem Nachmittagsschlaf auf die Nacht vorzubereiten. Angeblich gibt es 200 Pousadas in Pipa, allerdings viele nur mit 2 bis 3 Zimmern.

                Praia do Amor in Pipa


Wir sind zurück in der Pousada Thalassa. Den Sonnenuntergang erleben wir in der Sunset-Lounge, die Sonne geht nicht über dem Meer, sondern im Westen über dem Land unter. Vor uns erstreckt sich die Mata Atlantica, ein niedriger Wald aus resistenten Gehölzen, die der Salzluft und dem ständigen Wind widerstehen. Wo Menschen leben ist die Anpflanzung von Cajueiros Pflicht, wir sind hier in einem Zentrum des Cashewnussanbaus. In der Nahe befindet sich der grösste Cajueiro Brasiliens, die herabhängenden Aste haben am Boden Wurzeln gebildet, und der Baum hat sich wie ein Krake über die Fläche von mehreren Fussballfeldern ausgebeitet. Von der Bar werden uns Caipirinhas gebracht, Marcia trinkt eine Caipirosca, statt Cachaca wird Wodka verwendet. Die Lounge bietet einen schönen Blick über die Lanschaft und die Einrichtung ist sehr brasilianisch. Die Bibliothek hat viele deutsche Bücher, falls das für das fernsehsüchtige Publikum noch interessant ist.

                         Sunset Lounge in der Pousada


Langsam ziehen sich die letzten Badendenden aus den Pools zurück. Nach dem Strand liegt der Brasilianer für Stunden im Pool und lässt sich die Drinks an den Schwimmbadrand bringen. Die Sonne geht unter, im Garten gehen die Laternen an, die Geister der Orixas nehmen allmählich Besitz von der Natur. Vor den Bungalows und auf den Terrassen liegen die Gäste in den Hängematten und bereiten sich auf ihr Nachtleben vor. Ab 22 Uhr geht es in der Hauptstrasse, Av. Dos Golfinhos , richtig zur Sache, alle Bars sind gesteckt voll und mindestens 30 Restaurants bieten ihr gutes Essen an. In der Pousada aber wird es ruhig und der einzige lebendige Geist, den wir zu Gesicht bekommen haben ist Marcia, der gute Geist der Pousada.



                 Pool mit Bar und Rezeption
                 Pousada Thalassa