Freitag, 23. März 2012

Die Geister der Pousada Thalassa


               Eingang zur Pousada bei Nacht



Gestern erzählte uns der Rezeptionist, ein Gast hätte bei einer anderen Pousada eine Warnung erhalten, man dürfe nicht zur Pousada Thalassa gehen, die Frau die sie betreibe sei mit dem Teufel im Bunde. Die Pousada sei die einzige in Pipa, die immer voll gebucht sei. Das ginge nicht mit rechten Dingen zu. Natürlich kann das Konkurrenzneid der anderen gewesen sein. Eine andere Erkiärung ist die grosse Wächterfigur am Eingang der Pousada, mit einer Gabel in der Hand. Eine Orixa, mit dem Namen Exu, die den Eingang bewacht. Ein kleines Schälchen mit Gaben vor der Orixa stimmt diese versöhnlich und kein Unbefugter darf die Pousada betreten, die Orixa bewacht den Eingang und den Ausgang des Hauses und des Lebens. Sie ist die Mittlerin zwischen dem Diesseits und dem Jenseits. Orixas sind die afrikanischen Gottheiten, die von den Sklaven in die brasilianische Kultur integriert wurden. Die ganze Pousada wurde künstlerisch von dem Ibiza Künstler Paulo Viheira gestaltet, der in Brasilia geboren wurde. Schon vor dem Tor grüssen 3 Meter hohe Figuren aus Holz und Stahl, die an Miró erinnern. Sehr eindrucksvolle Zeichen, ähnlich den Totems der Indianer und auch afrikanische Elemente sind integriert

             Eingangswächter Exú


Hat man den Wächter des Tores Exú überwunden tritt man in einen üppigen tropischen Garten. Überall sind die Skulpturen von Paulo im Grün zu sehen.
Wir kommen in die Frühstückshalle, Fenster sind hier nicht nötig, eine gedeckte Halle mit überlebensgrossen Bildern der afrikanischen Gottheiten. Ähnlich wie bei unseren Sternzeichen ist nach dem Geburtstag eine bestimmte Gottheit, mit der ihr eigenen Eigenschaften für den Lebensweg des Menschen bestimmend, der im Einfluss der Gottheit geboren wurde. Für mich ist Oxum zuständig, die Gottheit des Wohlstands, des Wassers und der Flüsse. Marcia bringt Oxum häufig gelbe Blumen, und legt sie vor sein Bild, für Oxúm gilt die Farbe des Goldes, und bisher hat Oxum gnädig seine Hand über die Pousada gehalten. Am Anfang als noch Platz in der Pousada war habe ich in den Masterapartments gewohnt. Das eine Apartment ist Ogum gewidmet, dem Gott des Krieges aber auch des Schutzes vor den bosen Mächten. Das andere Apartment steht unter dem Schutz von Oxúm. Beherrscht werden die Zimmer von grossen Bildnissen der Gottheiten. Böse Zungen behaupten in das Apartment von Ogúm legt die Rezeption streitsüchtige Ehepaare, zu Oxúm kommen die nett aussehenden. Wer einen Eindruck von der Kunst haben möchte sollte einen virtuellen Rundgang machen unter www.pousadathalassa.com.br

                  Hochzeitssuite


Wer noch nicht ein brasilianisches Frühstück zu sich genommen hat, wird es in seine ganzen Vielfalt in der Pousada geniessen können. Die schönsten tropischen Früchte werden von Stenio vom Markt geholt. Frühaufsteher können Stenio, den Geschäftsführer, und sich von dem ungeheuer reichhaltigen Angebot der brasilianischen Bauern überzeugen. Allerdings ist ein frisch gepresster Zuckerrohrsaft das letzte Mal Victor zum Verhängnis geworden, er konnte mehrere Tage nicht das brasilianische Essen geniessen. Sonst sind Fruchtsäfte in einer solchen Vielzahl frisch oder als gefrorene Masse im Angebot, dass die Wahl schwer fällt. Die meisten Früchte sind uns ohnehin unbekannt. Zurück zu unserem Frühstücksbuffet, speziell für Brasilianer gibt es natürlich warme Gerichte mit Mais, Manniok und Fleisch . Es gibt eine Vielzahl von Fleisch- und Fischkuchen und daneben natürlich auch susse Gebäcke und Torten.

            Brasilianisches Frühstücksbuffet in der Pousada


Viele Gäste schlagen sich unbeherrscht voll und es ist eine Mär, wenn man an schlanke schöne Brasilianerinnen denkt, die meisten sind übermässig füllig. Vielleicht ist das wie bei uns eine Fresswelle wie nach dem Krieg, nachdem Brasilien sich innerhalb der letzten 20 Jahr von einem Entwicklungsland mit Unterernährung in ein prosperierendes BRIC- land entwickelt hat. Nach dem Frühstück geht es an den Strand, von der Pousada leicht zu Fuss zu erreichen. Der Ort selber in der Frühe wirkt noch verschlafen und erinnert an die ersten Jahre der Entdeckung von Ibiza. Die Läden machen erst gegen Mittag auf.


              Praia do Madeiro in Pipa

Am Strand sammeln sich langsam die Nachteulen an, eine lange Disconacht im Calangos hinter sich. Das Meer ist stark zurückgegangen. Hinter Felsriffen bilden sich Pools, in die sich Strandbesucher legen. Die Wassertemperatur beträgt mindestens 28°. Es weht ein starker Ostwind und draussen tummeln sich Surfer und Kites in den mittelhohen Wellen. Der eigentliche Zentralstrand von Pipa ist nicht so interessant wie die anschliessenden Strände nach Süden hin, Praia de Amor mit herrlichem Sandstrand und echten Surfwellen und nach Norden der Praia do Madeiro mit seinen Surfern und Delfinen. Die Strände gelten hier als eine der schönsten von Brasilien. Die starken Ostwinde ermöglichen richtig gutes Surfen. Obwohl Pipa Super-In ist, sind die Strände leer, ab und zu eine Strandbude, wo man die hiesigen wilden kleinen Langusten geniessen kann, zu recht zivilen Preisen. Beeindruckend die Steilküste hinter dem Strand, die erst einmal durchstiegen werden muss, wenn man das Meer erreichen will. Nachmittag steht die Sonne im Westen und der Schatten der Steilküste macht es für Sonnenanbeter uninteressant am Strand zu bleiben. Alles wandert in seine Pousadas um sich mit einem Nachmittagsschlaf auf die Nacht vorzubereiten. Angeblich gibt es 200 Pousadas in Pipa, allerdings viele nur mit 2 bis 3 Zimmern.

                Praia do Amor in Pipa


Wir sind zurück in der Pousada Thalassa. Den Sonnenuntergang erleben wir in der Sunset-Lounge, die Sonne geht nicht über dem Meer, sondern im Westen über dem Land unter. Vor uns erstreckt sich die Mata Atlantica, ein niedriger Wald aus resistenten Gehölzen, die der Salzluft und dem ständigen Wind widerstehen. Wo Menschen leben ist die Anpflanzung von Cajueiros Pflicht, wir sind hier in einem Zentrum des Cashewnussanbaus. In der Nahe befindet sich der grösste Cajueiro Brasiliens, die herabhängenden Aste haben am Boden Wurzeln gebildet, und der Baum hat sich wie ein Krake über die Fläche von mehreren Fussballfeldern ausgebeitet. Von der Bar werden uns Caipirinhas gebracht, Marcia trinkt eine Caipirosca, statt Cachaca wird Wodka verwendet. Die Lounge bietet einen schönen Blick über die Lanschaft und die Einrichtung ist sehr brasilianisch. Die Bibliothek hat viele deutsche Bücher, falls das für das fernsehsüchtige Publikum noch interessant ist.

                         Sunset Lounge in der Pousada


Langsam ziehen sich die letzten Badendenden aus den Pools zurück. Nach dem Strand liegt der Brasilianer für Stunden im Pool und lässt sich die Drinks an den Schwimmbadrand bringen. Die Sonne geht unter, im Garten gehen die Laternen an, die Geister der Orixas nehmen allmählich Besitz von der Natur. Vor den Bungalows und auf den Terrassen liegen die Gäste in den Hängematten und bereiten sich auf ihr Nachtleben vor. Ab 22 Uhr geht es in der Hauptstrasse, Av. Dos Golfinhos , richtig zur Sache, alle Bars sind gesteckt voll und mindestens 30 Restaurants bieten ihr gutes Essen an. In der Pousada aber wird es ruhig und der einzige lebendige Geist, den wir zu Gesicht bekommen haben ist Marcia, der gute Geist der Pousada.



                 Pool mit Bar und Rezeption
                 Pousada Thalassa

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